Bericht: Konferenz „Mehrsprachigkeit in der Donaumonarchie“

Bericht: Konferenz „Mehrsprachigkeit in der Donaumonarchie“

Fruchtbare Auseinandersetzung: Konferenz „Mehrsprachigkeit in der Donaumonarchie (1848-1918)“

„Je fremder der Untersuchungsgegenstand, desto fruchtbarer die Auseinandersetzung“ – so bilanzierte PD Dr. Thomas Borgard, Koordinator des Internationalen Forschungszentrums Chamisso (IFC), die interdisziplinäre und internationale Konferenz „Mehrsprachigkeit in der Donaumonarchie (1848-1918). Wissen – Herrschaft – Soziale Praxis“, die vom 10. bis 12. Oktober in München stattfand. Eingeladen hatten mit dem IFC das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS), das Institut für Deutsch als Fremdsprache (DaF) und die Internationale Forschungsstelle für Mehrsprachigkeit (IFM), alle angesiedelt an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Den vollständigen Bericht von Doris Roth in der Siebenbürgischen Zeitung finden Sie auf siebenbuerger.de/zeitung (externer Link).

Bericht: Lesung und Gespräch mit Hellmut Seiler

Bericht: Lesung und Gespräch mit Hellmut Seiler

„Ich wäre lieber eine Frage als ein Ausruf …“ 

Der 1953 in Reps/Rupea/Kőhalom geborene Hellmut Seiler, der in Hermannstadt/Sibiu/ Nagyszeben studierte, ab 1976 Deutsch- und Englischlehrer in Neumarkt am Mieresch/Târgu Mureș/Marosvásárhely war und 1982 mit seinem Gedichtband die einsamkeit der stühle bekannt wurde, erhielt 1985 Berufs- und Publikationsverbot und reiste 1988 nach Deutschland aus. Seit Jahren lebt er in Backnang, und heute bezeichnet er sich als „siebenbürgisch-württembergischen“ Schriftsteller. Die von Enikő Dácz (IKGS) moderierte Lesung, die eine gemeinsame Veranstaltung des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS), dem Verband der Siebenbürger Sachsen und dem Haus des Deutschen Ostens (HDO) war, lockte am 17. Oktober 2018 ein stattliches Publikum an. Hellmut Seiler sei ein sich „zweiheimisch“ fühlender „Grenzgänger auf Wanderschaft zwischen den Kulturen und Sprachen“, erläuterte die Moderatorin, deren Fragen den Dichter immer wieder zu überraschend deutlichen Aussagen verführten. Etwa zu dem Bekenntnis, dass der langjährige Kämpfer gegen die Verarmung der deutschen Sprache den Lehrerberuf gerne und freudig an den Nagel gehängt hat, oder zu der Aussage, dass er als Dichter die „Kurzstrecke“ bevorzuge und deshalb kein Roman von ihm zu erwarten sei. Aber auch zu der Bemerkung, dass ein gut informierter Optimist fast zwangsläufig zu einem tapferen Pessimisten werden müsse, oder zu der Andeutung, dass erotisches Begehren lebenslang eine wichtige Triebfeder jeglicher Kreativität sei. Hellmut Seiler trug Gedichte und Kurzprosa vor, darunter das in den späten 1970er-Jahren entstandene Langgedicht take it or leave it und das relativ neue Poem Zeichen setzen, das mit der Zeile „Ich wäre lieber eine Frage als ein Ausruf …“ beginnt, die das Motto für diese gelungene Veranstaltung abgab. Die aus fünf Jahrzehnten stammenden Texte zeigten Hellmut Seiler als politisch wachen, zeitkritischen Skeptiker, Ironiker und Sprachspieler. Das Publikum bekam einen guten Eindruck vom Gesamtwerk des Autors, der bisher sechs Bücher veröffentlicht hat, zuletzt 2017 den Gedichte und Aphorismen enthaltenden Band Dieser trotzigen Ruhe Weg. Den konnte man nach der Lesung erwerben und signieren lassen – was viele Zuhörer auch taten.

Klaus Hübner

Projekttage: MEDIA BEYOND FRONTIERS

Projekttage: MEDIA BEYOND FRONTIERS

Das grenzüberschreitende Projekt MEDIA BEYOND FRONTIERS startete mit Statements von Medienexpertinnen und -experten aus Deutschland (Renate Nimtz-Köster), der Ukraine (Lilia Shutiak) und Republik Moldova (Vyacheslav Dolgov) über die gegenwärtige Mediensituation in ihren Ländern, über Medienwandel, Beziehung von Medienfreiheit und zivilgesellschaftlicher Entwicklung, „fake news“ und über die Einflüsse von social media auf die öffentliche Meinung. In kleinen trinationalen Gruppen diskutierten die 18 Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten über ihr Mediennutzungsverhalten, über die Zusammenhänge von Meinungsbildung und freien Medien und über die gegenwärtigen Herausforderungen im Journalismus in ihren Herkunftsländern.

Ein weiterer Schwerpunkt der ersten beiden Projekttage lag auf der intensiven Vorbereitung der dreitägige Recherchereise in die ukrainisch-moldauische Grenzregion. Die trinationalen Teams hatte sich in der Onlinephase seit August zu unterschiedlichen Themen miteinander vernetzt (Erinnerungskultur, Alltagsleben an der Grenze, Minderheiten und Identitäten, Transnistrien, Studentenleben in Chernivtsi und Bălți). Hier vor Ort arbeiteten sie Rechercheentwürfe aus und vereinbarten Interviewtermine. Die Beiträge werden später in einem deutschsprachigen Magazin sowie in ukrainischen und moldauischen Medien veröffentlicht.

Zum Abschluss des zweitägigen Projekteinstiegs kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit drei Medienakteuren (aus Print, Online und TV) aus der Stadt und dem Gebiet Czernowitz/Chernivtsi zu einem informellen Treffen zusammen und informierten sich über die lokale und regionale Mediensituation.

MEDIA BEYOND FRONTIERS ist ein Projekt des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München (IKGS), der Nationalen Jurij-Fedkowytsch-Universität Tscherniwzi (Ukraine) und der Staatlichen Alecu Russo Universität Bălți. Gefördert wird es durch Mittel des Auswärtigen Amts (Programm „Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland“ 2018).

Hier geht’s zur Website des Projekts: mediabeyondfrontiers.net (externer Link)

 

 

 

 

 

Gefördert durch:

Neuerscheinung: „Wirtschaftsnationalismus lokal“ von Stéphanie Danneberg

Neuerscheinung: „Wirtschaftsnationalismus lokal“ von Stéphanie Danneberg

Stéphanie Dannebergs Dissertation zum Thema Wirtschaftsnationalismus in Siebenbürgen ist letztes Jahr an der Ludwig-Maximilians-Universität erfolgreich verteidigt worden und erscheint nun im Vandenhoeck & Ruprecht Verlag unter dem Titel „Wirtschaftsnationalismus lokal. Interaktion und Abgrenzung zwischen rumänischen und sächsischen Gewerbeorganisationen in den siebenbürgischen Zentren Hermannstadt und Kronstadt, 1868–1914.“.

Die Monografie ist in der von Martin Schulze Wessel und Ulf Brunnenbauer herausgegebenen Buchreihe „Schnittstellen. Studien zum östlichen und südöstlichen Europa“ (Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien in München), im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht erschienen.

Das Verhältnis zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen – und insbesondere zwischen Rumänen und Sachsen – im ethnisch, sprachlich und religiös heterogenen Siebenbürgen war bezogen auf die Ära des österreichisch-ungarischen Dualismus bis heute ein Forschungsdesiderat, obwohl diese Zeitspanne speziell für die Frage der siebenbürgischen Koexistenzforschung äußerst bedeutend ist.

Das Buch liefert einen seltenen Einblick in die rumänisch-sächsischen Beziehungen bis zum Ersten Weltkrieg und am Beispiel von Hermannstadt und Kronstadt aus der Perspektive der Wirtschaftsgeschichte und der Nationalismusforschung.

Dr. des. Stéphanie Danneberg ist Historikerin und Politikwissenschaftlerin und lebt in München. Von 2014 bis 2017 war sie am Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e. V. in München tätig.

Weitere Informationen finden Sie auf vandenhoeck-ruprecht-verlage.com (externer Link).

„Brücken aus Papier“ – Das IKGS erhält 12.000 € Projektförderung

„Brücken aus Papier“ – Das IKGS erhält 12.000 € Projektförderung

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) hat für 2018 ein Sonderprogramm zur Erhaltung des schriftlichen Kulturerbes in Bibliotheken und Archiven in Deutschland ausgeschrieben (externer Link).

Der Projektantrag der Bibliothek des IKGS zur Entsäuerung und Restaurierung seltener deutscher Zeitungen und Zeitschriften zur Alltagskultur der vertriebenen deutschsprachigen Minderheit in Rumänien bis 1944 bei der Koordinierungsstelle zur Erhaltung schriftlichen Kulturguts in Deutschland (externer Link) war erfolgreich und wird mit 12.000 € durch die Kulturstaatsministerin unterstützt.

Das Projekt soll den dauerhaften Originalerhalt von Zeitungen und Zeitschriften aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten sicherstellen. Die ausgewählten Medien aus dem Bestand IKGS spiegeln allesamt die Alltagskultur in den deutschen Siedlungsgebieten in Rumänien wieder. Der Bestand besteht aus 26 Zeitungen und Zeitschriften, insgesamt sechs Regalmeter lang und 220 kg schwer. Er enthält u. a. Schulprogramme, Taschenkalender und Boulevardzeitungen. Auf die Flucht aus den Vertreibungsgebieten konnten meist nur wenige Habseligkeiten mit genommen werden. Verständlicherweise fielen Alltagsgegenstände und Dinge mit kurzzeitiger Bedeutung, wie Tageszeitungen, nicht darunter. Daher hat das IKGS an vielen der ausgewählten Titel entweder deutschlandweit Alleinbesitz oder den größten zusammenhängenden Bestand an Originalen. Hervorzuheben ist z. B. die Neue Jüdische Rundschau, eine deutschsprachige Wochenzeitung aus Czernowitz (Ukraine), die bisher nur im IKGS und in der Israelischen Nationalbibliothek nachgewiesen ist. Diese Zeitungen bilden somit „Brücken aus Papier“ zwischen den alten und den neuen Heimaten.

Die deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften sind in den Entstehungsgebieten entweder nicht erhalten oder nur selten in öffentlich zugänglichen Bibliotheken aufbewahrt und erschlossen. Sie stammen aus dem Zeitraum von 1837 bis 1944, in welchem industriell gefertigtes, säurehaltiges Papier verwendet wurde. Durch die Säure wird das Papier brüchig und droht zu zerfallen, ähnlich einer Brücke, die einstürzt, wenn sie nicht instandgehalten wird. Zudem weisen die Bestände zahlreiche Lagerungsschäden auf. Um einem drohenden Verfall vorzubeugen und eine Benutzung zu ermöglichen sind Entsäuerung, Restaurierung und Schutzverpackung dieser seltenen Bestände, auch im Hinblick auf eine spätere Digitalisierung, dringend notwendig. Dies kann nun durch die Förderung der BKM durchgeführt werden.

Rumänien 1918: zwischen Pluralismus und Vereinheitlichung

Rumänien 1918: zwischen Pluralismus und Vereinheitlichung

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Religion und Gesellschaft in Ost und West (RGOW 9/2018) des Instituts G2W, Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft erscheint der Aufsatz „Rumänien 1918: zwischen Pluralismus und Vereinheitlichung“ von Dr. Florian Kührer-Wielach.

Das Jahr 1918 markierte eine Zeitenwende: Die drei großen Reiche der Romanovs, Habsburger und Osmanen zerfielen, während das Deutsche Reich vom Kaiserreich zur Republik wurde. Die größten territorialen Veränderungen ereigneten sich in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa, wo zehn neue Staaten entstanden: Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Tschechoslowakei, Österreich, Ungarn, Jugoslawien und die Türkei.
In dieser Ausgabe nimmt die Schweizerische Osteuropabibliothek und die Zeitschrift RGOW das Epochenjahr 1918 und dessen bis heute spürbare Folgen für das östliche Europa in den Blick, wobei sie sich auf ausgewählte Staaten Ostmittel- und Südosteuropas beschränken. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden nicht nur die Landkarte Europas neu gezeichnet, sondern auch politische Systeme verändert und gesellschaftliche Wandlungsprozesse beschleunigt.

Rumänien 1918: zwischen Pluralismus und Vereinheitlichung

Im Oktober 1918, als die Auflösung der Donaumonarchie bereits in vollem Gange war, trat das Königreich Rumänien ein zweites Mal an der Seite der Entente in den Krieg ein. Der im März des Jahres geschlossene Separatfrieden mit den Mittelmächten wurde für ungültig erklärt, das große Ziel, der Zusammenschluss aller von Rumänen bewohnten Gebiete, erreicht: Im seit der Oktoberrevolution von Russland unabhängigen Bessarabien erneuerte ein Rumpflandtag den im März des Jahres verkündeten Anschluss an Rumänien. Ende November folgte ein „Generalkongress“ im bis dato österreichischen Kronland Bukowina diesem Beispiel. Drei Tage später, am 1. Dezember 19181, verkündete der griechisch-katholische Bischof von Gherla (Siebenbürgen), Iuliu Hossu, im Beisein des orthodoxen Bischofs von Caransebeș (Banat), Miron Cristea, die Beschlüsse einer „Großen Nationalversammlung“ der ungarländischen Rumänen in Karlsburg (rum. Alba Iulia, ung. Gyulafehérvár): die „große Vereinigung“ der von ihnen bewohnten Gebiete – Siebenbürgen, das noch bis 1919 umkämpfte Banat und das Partium – mit Rumänien. Der Anschluss Siebenbürgens stellte den Höhepunkt und den Schlussstein der rumänischen Irredenta dar.

Eine ausführliche Leseprobe sowie weitere Informationen zur Zeitschrift finden Sie auf g2w.eu/zeitschrift (externer Link).