Geförderte Publikationen

Manfred Winkler
Haschen nach Wind: Die Gedichte
Herausgegeben von Monica Tempian und Hans-Jürgen Schrader

Arco Verlag, Wuppertal. Gefördert vom IKGS

Aus Czernowitz verschlug es in einem blutigen Jahrhundert jüdische Dichter, die heute berühmt sind und einen Mythos um ihren Geburtsort entfachten: darunter Paul Celan und Rose Ausländer, Aharon Appelfeld, Itzig Manger und Selma Meerbaum-Eisinger. Seltsam genug, daß mit Manfred Winkler einer der überragenden Dichter dieser Herkunft im deutschen Sprachraum – dem er in Rumänien und dann in Israel gegen alle Widerstände die Treue hielt – noch wenig bekannt ist.

Winklers Lyrik schöpft aus Spannungen: »Das Paradox und der Glaube gehören zur Grundlage meines Dichtens und meines Lebens. […] Licht und Dunkel, Tag und Nacht, Zeit und Ewigkeit – das klingt mir wie Akkorde und Rhythmen, diese seltsam bildschaffenden Wortklänge. Manchmal ziehen sie mich in die Tiefe, ich kämpfe mich mithilfe meiner Verszeilen wieder nach oben, sogar himmelwärts – und falle ebenso oft wieder auf die Erde«. Winklers Verse sind Ausdruck sprunghafter Phantasie im unruhigen Suchen nach Orientierung. Sie rufen die biblische Stadt Jerusalem mit ihren Tempelruinen und mythischen Mauern wach, die Landschaften der Wüste, Oasen am Toten Meer. Landschaftsmotive und Klänge entsteigen auch der zerstörten Welt seiner Kindheit vor der Shoah. In der Chiffrierung seiner wortmächtigen Sprachschöpfungen zeigt sich eine Nähe zu anderen Dichtern der Bukowina, so zu Alfred Margul Sperber, Rose Ausländer, Paul Celan, Ilana Shmueli und Alfred Kittner. Winklers bisher publiziertes Werk wird hier, ergänzt um rund 150 Gedichte aus dem Nachlaß, erstmals in einem Band ediert.

Bericht auf Deutschlandfunk Kultur (externer Link)

Laura Gabriela Laza
Baumeister war die Angst. Die politischen Prozesse rumänischer und deutschsprachiger Schriftsteller aus Rumänien nach dem Ungarnaufstand 1956
Casa Cărții de Știință, Klausenburg. Gefördert vom IKGS

In den folgenden Erinnerungen will ich Rückschau halten auf den Teil meines Lebens, der unter der Aufsicht und Bedrohung des rumänischen Geheimdienstes, der Securitate, gestanden hat. Es war eine streckenweise schlimme Zeit. Doch dabei bin ich mir der Gefahr bewusst, dass die Darstellung so außer gewöhnlicher Geschehnisse, wie ich und unzählige andere sie im Laufe von Jahrzehnten unter dem kommunistischen Terror erlebt haben, ihre Tücken in sich birgt: Das eigene Verhalten im Ringen mit der Securitate zu beschönigen, zu idealisieren und in einem rosigen Licht zu sehen und auch darzustellen; das vor allem, wenn man meint, sein Bestes getan zu haben, um standhaft zu bleiben. Um dieser Gefahr nicht zu erliegen, werde ich – so weit wie nur möglich – die Dokumente sprechen lassen. Der Autor Mathias Pelger war Stadtpfarrer der Schwarzen Kirche, ev. Honterusgemeinde Kronstadt, Siebenbürgen, zur Zeit des Kommunsimus.

Mathias Pelger
Im Schatten der Securitate – unter der Sonne Gottes
Schiller Verlag, Bonn-Hermannstadt. Gefördert vom IKGS, EUR 14,80

In den folgenden Erinnerungen will ich Rückschau halten auf den Teil meines Lebens, der unter der Aufsicht und Bedrohung des rumänischen Geheimdienstes, der Securitate, gestanden hat. Es war eine streckenweise schlimme Zeit. Doch dabei bin ich mir der Gefahr bewusst, dass die Darstellung so außer gewöhnlicher Geschehnisse, wie ich und unzählige andere sie im Laufe von Jahrzehnten unter dem kommunistischen Terror erlebt haben, ihre Tücken in sich birgt: Das eigene Verhalten im Ringen mit der Securitate zu beschönigen, zu idealisieren und in einem rosigen Licht zu sehen und auch darzustellen; das vor allem, wenn man meint, sein Bestes getan zu haben, um standhaft zu bleiben. Um dieser Gefahr nicht zu erliegen, werde ich – so weit wie nur möglich – die Dokumente sprechen lassen. Der Autor Mathias Pelger war Stadtpfarrer der Schwarzen Kirche, ev. Honterusgemeinde Kronstadt, Siebenbürgen, zur Zeit des Kommunsimus.

Thomas Krefeld, Stephan Lücke, Emma Mages (Hgg.)
Korpus im Text. Zwischen traditioneller Dialektologie und digitaler Geolinguistik: Der Audioatlas siebenbürgischsächsischer Dialekte (ASD)
Korpus im Text; Bd. 2. Monsenstein & Vannerdat, Münster

Der vorliegende Band markiert für die Herausgeber einen Wendepunkt: Er war zunächst ausschließlich als gedrucktes Buch für die Veröffentlichung einer Reihe von Vorträgen zur Arbeitstagung des vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien geförderten Projekts „Audioatlas Siebenbürgisch-Sächsischer Dialekte“ konzipiert worden. Die Tatsache, dass diesem Projekt jedoch im Wesentlichen eine Sammlung von Tonaufnahmen zu Grunde liegt, ließ diese Publikationform schnell als unzulänglich erscheinen. So reifte ganz selbstverständlich der Entschluss, die hier vorgelegten Texte zusätzlich in zeitgemäßer Form im Internet zu veröffentlichen und dabei, die dort gegebenen Möglichkeiten konsequent nutzend, auch Hörbeispiele aus dem Audioatlas einzubinden (http://www.kit.gwi.uni-muenchen.de/). Die doppelte Publikation als Buch und im Netz symbolisiert aus Sicht der Herausgeber den Übergang von der traditionellen zu einer zeitgemäßen Veröffentlichungspraxis mit all ihren technischen Möglichkeiten und ökonomischen Vorteilen.

Judit Klein
Die Funktion und Geschichte der deutschsprachigen Minderheitenmedien in Ungarn im Sozialismus
Verlag Dr. Kovač, Hamburg, EUR 96,80

Wenn man die heutige Struktur und Funktionsweise der deutsch­sprachigen Minderheitenmedien in Ungarn verstehen möchte, muss man auf die Zeit des Sozialismus zurückgreifen. Die Minderheitenmedien dienten den Interessen der Partei und hatten das Ziel die deutschsprachige Minderheit restlos in die sozialistische Gesellschaft zu integrieren. Nur an zweiter Stelle sollten sie ihre speziellen Funktionen als Minderheitenmedien erfüllen.
Dieses Buch stellt die Geschichte dieser Medien dar und zeichnet das Bild einer Gruppe, die jahrzehntelang in einer Diktatur versuchte gegen die Assimilation zu kämpfen.

Günter Czernetzky, Renate Weber-Schlenther, Luzian Geier, Hans-Werner Schuster und Erwin-Josef Tigla (Hgg.)
Lagerlyrik. Gedenkbuch 70 Jahre seit der Deportation der Deutschen aus Südosteuropa in die Sowjetunion
Schiller Verlag, Bonn-Hermannstadt. Gefördert vom IKGS, EUR 19,90

70 Jahre nach dem Beginn der Lagerzeit und 20 Jahre nach dem Erscheinen der ersten wissenschaftlichen Aufarbeitung der Deportation der Deutschen aus Rumänien in die Sowjetunion soll dieser Band das Leid und den Überlebenswillen der Deportierten den Nachgeborenen nahebringen. Was wäre dafür besser geeignet als selbstverfasste Gedichte, Zeichnungen und Fotos …
Wo und warum entstanden diese Gedichte und wie wurden sie aufgezeichnet? Im Januar 1945 wurden alle „arbeitsfähigen Deutschen – Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren, Frauen von 18 bis 30 Jahren -, die sich auf den von der Roten Armee befreiten Territorien Rumäniens, Jugoslawiens, Ungarns, Bulgariens und der Tschechoslowakei befinden“ mobilisiert und „zum Wiederaufbau der Bergbauindustrie im Donezbecken und der Schwarzmetallurgie des Südens“ eingesetzt – so heißt es wörtlich im Beschluss des sowjetischen Verteidigungskomitees vom 16. Dezember 1944, unterzeichnet von Josef Stalin. Neben vielen Deutschen aus den genannten Ländern waren Deutsche aus allen Teilen Rumäniens davon betroffen.

Mária Pakucs-Willcocks
„zu urkundt in das Stadbuch lassen einschreiben“. Die ältesten Protokolle von Hermannstadt und der Sächsischen Nationsuniversität (1522-1565)
Herausgegeben vom Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde und dem IKGS. Schiller Verlag, EUR 18,90

Das erste Stadtbuch von Hermannstadt ist ein historisches Dokument von besonderer Bedeutung. Als programmatisches und politisches Instrument par excellence, hatte das Stadtbuch den erklärten Zweck, politische Entscheidungen des Stadtrats und der Sächsischen Nationsuniversität festzuhalten sowie alle Beschlüsse juristischer oder politischer Art der Nachwelt zu überliefern. In großem Umfang betreffen die Einträge dieses Bandes Fragen der Stadt und der Dörfer, die der Hermannstädter Rechtsprechung unterlagen. Er enthält allerdings auch eine Reihe von 27 Urteilen und rechtlichen Verfügungen der Sächsischen Nationsuniversität. Ihre Sitzungen und deren Beschlüsse wurden ab 1544 auch in separate Bände aufgenommen. Der vorliegende Band enthält auch einige Streitfälle zwischen Bewohnern anderer sächsischer Städte (Bistritz, Klausenburg), die streng genommen außerhalb der Gerichtsbarkeit des Stuhles Hermannstadt standen, aber von der Sächsischen Nationsuniversität als Appellationsgericht entschieden wurden.

Heft 4/2015 (42)
Matrix. Hans Bergel – Sonderheft
Pop Verlag, Ludwigsburg. Gefördert vom IKGS, EUR 14,00

Was ist das für ein Mensch, der – noch einigermaßen gehfähig, mit leidlich wachen Sinnen, und, trotz allem, mit Zukunftsplänen im Kopf – neunzig Jahre alt wurde? Er überlebte seine drei jüngeren Geschwister und die meisten der Freunde – von Mal zu Mal einsamer, da diejenigen, die ihn von Kind an begleiteten, nicht mehr sind, die Augen- und Seelenzeugen seiner Helligkeiten und seiner Dunkelheiten, seines Lebensmutes und seiner Lebensängste, seiner Dynamik und seiner Melancholie.

(Hans Bergel über Hans Bergel)

Bearbeitet von Sigrid Haldenwang und Malwine Dengel
Siebenbürgisch-Sächsisches Wörterbuch. Zehnter Band (S-Schenkwein)
Editura Academiei Române Bucureşti, Böhlau Verlag Köln, Weimar, Wien. Gefördert vom IKGS, EUR 64.90

Das Siebenbürgisch-Sächsische Wörterbuch erfasst den Gesamtwortschatz der Siebenbürger Sachsen, die seit dem 13. Jahrhundert im Karpatenhochland siedelten, jedoch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und vor allem nach 1989 mehrheitlich die angestammten Gebiete verlassen haben, um nach Deutschland und Österreich, aber auch in die USA und nach Kanada auszuwandern. Das Siebenbürgisch-Sächsische ist eine überwiegend moselfränkisch geprägte Reliktmundart, teilweise auf dem Entwicklungsstand des Mittelhochdeutschen. Die in den Wörterbuchartikeln aufgeführten Beispiele können als Dokumentation eines im Untergang begriffenen Dialekts gelten.

Heft 3/2015 (41)
Matrix. Nikolaus Berwanger – Sonderheft
Pop Verlag, Ludwigsburg. Gefördert vom IKGS, EUR 14,00

Keiner wird mich in die Knie zwingen; weder die farblosen Krämer mit ihrem längst überholungsbedürftigen Wortschatz, die im erbärmlichen „Volksgruppenstil“ schalten und walten, noch die neue „Stahlhelmgeneration“, die das Erbe der strammen Väter und Großväter fortsetzen soll.

(Nikolaus Berwanger)

Heft 2/2015 (40)
Matrix. Richard-Wagner-Sonderheft
Pop Verlag, Ludwigsburg. Gefördert vom IKGS, EUR 12,00

… wo es eine Literatur gibt, da gibt es nicht diese Literatur einfach, sondern es gibt sie, weil nach ihr verlangt wird…

(Richard Wagner)

Gabriel H. Decuble, Orlando Grossegesse, Maria Irod und Stefan Sienerth (Hgg.)
„Kultivierte Menschen haben beruhigendes…“. Festschrift für George Guţu
Editura Universităţii din Bucureşti, Editura Paideia Bucureşti, Editura Pop Ludwigsburg

„Keiner machte die neuere Germanistik Rumäniens in Fachkreisen weltweit so bekannt wie George Guţu. In einer immer schwierigeren Zeit für die Germanistik auch in seinem Land stemmte er sich mit beispielhafter Energie und Umsicht gegen die Entwicklung und verlor trotz fallweiser Rückschläge und Resignation niemals den Enthusiasmus für die deutsche Sprache und Dichtung – zur Herausforderung manches deutschen Germanisten, sei hinzugefügt, Immanuel Kants Wort von Enthusiasmus, ohne den keine große Leistung möglich ist, darf daher als Motto über dem Leben des Bukarester Professors stehen. Ad multos annos, mein Freund!“

(Hans Bergel)

Joachim von Puttkamer, Stefan Sienerth und Ulrich A. Wien (Hgg.)
Die Securitate in Siebenbürgen
Böhlau Verlag 2014, 432 S., € 39.90 [D], € 41.10 [A]

Seitdem die Akten der „Securitate“ öffentlich zugänglich sind, wurde deutlich, wie eng auch die deutsche Minderheit des Landes vom rumänischen Geheimdienst überwacht worden war. Spektakuläre Enttarnungen zeigten, wie stark vor allem deutsche Schriftsteller, aber auch die Evangelische Kirche in Siebenbürgen unter Druck geraten waren. Der vorliegende Band stellt solche Einzelfälle in einen größeren Zusammenhang und untersucht das Vorgehen der Securitate auch gegenüber Ungarn und Rumänen in Siebenbürgen. Bis heute wirken die damaligen Bedrängnisse und Verletzungen nach.

Rezensionen
Hannes Schuster, Siebenbürger.de-Newsletter Nr. 212
Florian Kührer-Wielach, H-Net Romania, Februar 2016
Dennis Deletant, Slavic Review, Jg. 74 (2015), H. 2, S. 381–383
James Koranyi, Neue politische Literatur. Berichte aus Politik und Geschichtswissenschaft, Jg. 59 (2014), H. 2, S. 334–335
Cristian Cercel, H-Soz-Kult, 24.11.2014

Maria Sass, Doris Sava und Stefan Sienerth (Hgg.)
Schriftsteller versus Übersetzer. Begegnungen im deutsch-rumänischen Kulturfeld
Peter Lang 2013, 256 S., € 54.95 [D], € 56.50 [A]

Dieser Tagungsband dokumentiert Besonderheiten der Translation literarischer Werke aus kultureller, historischer und linguistischer Perspektive. Die Übersetzungsvorschläge verdeutlichen, wie es den namhaften oder weniger bekannten Übersetzern (Wolf von Aichelburg, Ruth Herrfurth, Helene Maugsch-Drǎghiciu, Hermine Pilder-Klein, St. O. Iosif, Nora Iuga) gelungen ist, formal-stilistische oder lautliche Eigenheiten bedeutender Autoren (Lucian Blaga, George Topîrceanu, Heinrich Heine, Friedrich Schiller) bei der Übertragung zu bewahren und wertvolle literarische Zeugnisse zu vermitteln. Gelungene deutsche und rumänische Lyrik- und Prosaübertragungen, biografische Einführungen und Werkdarstellungen zeitgenössischer Gegenwartsautoren (Filip Florian, Franz Hodjak, Nora Iuga, Radu Vancu, Joachim Wittstock) aus dem rumänischen und deutschen Kulturraum runden den Band ab.

Ulrich A. Wien, Juliane Brandt und András F. Balogh (Hgg.)
Radikale Reformation. Die Unitarier in Siebenbürgen
Böhlau 2013, 397 S., € 49.90 [D], € 51.30 [A]

Die in diesem Sammelband vereinten Beiträge enthalten neue Forschungen zur Geschichte der Unitarier in Siebenbürgen, einer der vier seit dem 16. Jahrhundert anerkannten und bis ins 19. Jahrhundert hinein zugleich staatstragenden Konfessionen: Behandelt werden u.a. die Antikenrezeption der Unitarier, vorreformatorische Trinitäts-Diskussionen, die Rezeption und Konfessionskultur der siebenbürgisch-sächsischen Antitrinitarier, die Positionen von Franz Davidis und Jakobus Paläologus, der Sabbatarianismus, die Religionspolitik, unitarische Liturgien, späthumanistische Kontexte sowie die Verbindungen zur Nürnberg-Altdorfer Universität. Insgesamt wird damit eine handbuchartige Übersicht zur Unitarischen Kirche Siebenbürgens der Vormoderne vorgelegt.

Rezension
Boris Wagner-Peterson, Blätter für pfälzische Kirchengeschichte, 82 (2015), S. 184–185