10. Juli 2018 | Call for Papers, Germanistik
Kaum ein Begriff zum Drama wurde so intensiv und über einen so langen Zeitraum kontrovers diskutiert wie der Begriff der Katharsis. Mit der Rezeption der aristotelischen Poetik in der Renaissance sind eine Vielzahl von differenzierten und zum Teil auch widersprüchlichen Vorstellungen von Katharsis entwickelt worden. Von italienischen Gelehrten mit Interesse aufgenommen, und Scalinger, der die Katharsis völlig ablehnte, führt die Diskussion zu den Barockdichtern, wie unter anderen Martin Opitz. Jedoch auch im 18. Jahrhundert blieb die Bestimmung der Katharsis für die Tragödie ein aktuelles Thema, durch Diskussionen im deutschsprachigen Raum zwischen Jacob Bernays, später Friedrich Nicolai, Moses Mendelssohn und Gottlieb Ephraim Lessing wuchs das Bewusstsein der Bedeutung dieses Begriffs und blieb bis in die Gegenwart als wesentliches Moment virulent, wenn auch nicht mehr so stark umstritten.
Neben der aus der Antike und der Poetik des Aristoteles abgeleiteten Vorstellung Katharsis als Reinigung durch „Furcht und Mitleid“ zu sehen, wie sie die moralisierende Rezeption des Begriffes in der Aufklärung und in ihrer Folge während des 19. und 20. Jahrhunderts umriss, steht die Vorstellung einer aus der Kulturgeschichte der Griechen sich abzeichnende qua therapeutische Wirkung der Katharsis, die den Tod der frühen Götter und Titanen enthusiastisch und mit Pathos nachvollzieht. Katharsis bildet in dieser Konzeption eine Brücke zwischen den chthonischen und olympischen Göttern, in der Zeus stets erhöht, während der Tod der frühen Gottheiten „erschüttert“ erlebt wird. Abgeleitet vom dionysischen Kult überträgt sich die kathartische Haltung auch auf das Theater. (Iwanow 1985) Von Bernay ins Feld geführt wurde die etwas abweichende Übersetzung (so auch in der Übersetzung von Nestle 1957), die in der Katharsis eine Entladung (bis hin zu der von Klages und Schuler sowie Freud akzentuierten eher therapeutischen „Triebabfuhr“) annahmen, eine Erweiterung des Begriffs postulierten. Schadewaldt dagegen sah in der Katharsis auch die Möglichkeit, in der Annahme moralisch-rechtlicher Positionen über eine Bestrafung zum Ausgleich und einem Gerechtigkeitsgefühl gegenüber den Beteiligten zu gelangen. (Schadewaldt 1955) Sowohl die neuere Ritualforschung, als auch die Performativität, in der Ausformung von Fischer-Lichte, setzen auf die kathartische Wirkung theatralen (oder performativen) Darbietens und Handelns.
Im Gegensatz zur antiken und neuzeitlichen Bestimmung des Begriffs und der Wirkungsweise der Katharsis tritt in der Moderne und in der Gegenwart ein anderer Aspekt hervor, der erst deutlich werden konnte, nachdem die anderen Literaturgattungen, die Aristoteles in seiner Poetik behandelte, sich in ihrer medialen Präsentationsform stärker vom Drama abgesetzt haben. Während die griechischen Heldenlieder, von deren mündlichem Vortrag Aristoteles wusste, durch performative Handlung präsentiert wurden und die Lyrik zur Musik vorgetragen wurde, war das Kriterium der funktionalen und rezeptiven Wirkung des Dramas noch nicht eindeutig. In der Gegenwart jedoch hat die Epik und Lyrik (wenn nicht in der Pop- oder Rocklyrik, resp. slam poetry) ihr Dasein in Buchform und in der Privatlektüre. Auch der epische Text ist noch weitgehend an die gedruckte Buchform angelehnt, obwohl Hörbücher, Hörspiele und theatrale Adaptation die ursprüngliche mündliche Vortragsform von Epik wieder einholen. Dennoch tritt bei der Dramatik eine spezifische Bedingung ihrer Präsentationsform hervor.
Eine starke Voraussetzung der Wirkung der Katharsis scheint die zeitliche und räumliche Präsenz der Zuschauer an der Bühneninszenierung zu sein. Erst die Präsenz Zuschauender und Vortragender (vgl. Peter Brook, 1968) ermöglicht ein raum-zeitliches Miterleben der vorgestellten Handlung durch den Zuschauer, als ihre Vergegenwärtigung für die Zuschauer. Ebenso bricht sich in der Anlage des Erlebnishorizonts bei einer auf Katharsis angelegten Präsentation die Inszenierung oder der Nachvollzug von Abwesendem. Wie Iwanow an der Erkenntnis des sterbenden Gottes deutlich gemacht hat, die die kathartische Wirkung herstellte, ist die Reaktion des Zuschauers durch das Wissen der vom Tod bereits hinweggerafften Gottheit hervorgerufen. Grundsätzlich ist der Nachvollzug stets eine Wiederholung, ein Repetieren einer bereits abgeschlossenen Handlung zum Zwecke der Vergegenwärtigung. Aber die vergangene Handlung steht gleichfalls für die Absenz. Das Abwesende/Vergangene wird in die Gegenwart zurückgerufen, heraufbeschworen und stiftet in seiner Reinszenierung, die das Abwesende neu erlebbar macht, Katharsis. Erst im Bewusstsein, dass das Abwesende von Bedeutung war, entsteht das Bedürfnis, dieses in einer Reinszenierung erneut zugänglich zu machen. Die Absenz wird in der raum-zeitlichen Reinszenierung (spielerisch) aufgehoben. Damit setzt aber die Katharsis bereits das Wissen von der vorhergehenden, jetzt abwesenden Begebenheit, Gottheit, Situation etc. voraus, die sie erneut ins Bewusstsein heben will. Die Inszenierung der auf Katharsis angelegten Reinszenierung setzt den Zeithorizont zurück, in dem das Vergangene raum-zeitlich vergegenwärtigt werden kann, das die Begebenheit im gemeinsamen Raum der Schauspieler und Zuschauer inszeniert und erlebbar macht. Die Reinszenierung setzt damit im Akt der Vergegenwärtigung das Bewusstsein voraus, abwesende (vergangene) bedeutende Begebenheiten einzuholen und nachvollziehbar zu machen.
Sichtbarer wird nach Studien zur Performanz, dass sich die Katharsis nicht nur auf die dramatische Kunst beschränkt. Vergleichbare Phänomene und Prozesse lassen sich in liturgischen Handlungen, Ritualen oder Environments nachweisen, die in die Diskussion der ausgeschriebenen Tagung einbezogen werden sollen.
Für die oben bezeichnete Tagung in Krakau, vom 3. bis 5. Oktober 2018, werden Beiträge erbeten, die die Wahrnehmung der kathartischen Wirkung in Dramentexten seit 2000 oder Inszenierungen der letzten Jahre thematisieren, deren Hilfsmittel, Faktoren und Bedingungen diskutieren und deren Zusammenspiel nachgehen. Dabei soll dieses Wirkungselement auch mit Blick auf die bereits erwähnten liturgischen Handlungen, Ritualen oder Environments diskutiert werden. Wir laden ein, Ihre Exposés bis zum 31. August 2018 an folgende Mailadressen zu senden: asia.gosp@op.pl / mirecka@up.krakow.pl (Joanna Gospodarczyk, M.A. – Prof. Dr. Paul Martin Langner – Dr. Agata Mirecka). Der Konferenzbeitrag beträgt 450 PLN (110 EUR). Reisekosten können vom Veranstalter nicht übernommen werden. Die Publikation der Konferenzbeiträge ist vorgesehen.
3. Juli 2018 | Religion
Dass Internationale Graduiertenkolleg lädt Sie zur Abschlussveranstaltung im Internationalen Begegnungszentrum der Wissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München ein. Die Veranstaltung findet am 11. Juli 2018 um 17 Uhr in der Amalienstraße 38 in München statt. Interessierte werden gebeten, sich bis Freitag, den 6. Juli, bei rene.kuepper@lrz.uni-muenchen.de anzumelden.
Programm der Abschlussveranstaltung:
17.00-17.30 Begrüßung: Prof. Dr. Martin Schulze Wessel
Prof. Dr. Franz Xaver Bischof, Prof. Dr. Claudia Lepp
Präsentation der Neuerscheinungen in der Publikationsreihe „Religiöse Kulturen im Europa der Neuzeit“:
Katharina Ebner: Religion im Parlament. Homosexualität als Thema parlamentarischer Debatten in der Bundesrepublik Deutschland und im Vereinigten Königreich (1945-1990)
Vitalij Fastovskij: Terrorismus und das moderne Selbst. Religiöse Semantiken revolutionärer Gewalt im späten Zarenreich (1860-1917)
Cem Kara: Grenzen überschreitende Derwische. Kulturbeziehungen des Bektaschi-Ordens. 1826-1925
Raphael Rauch: „Visuelle Integration“? Juden in westdeutschen Fensehserien nach „Holocaust“
David Schick: Vertrauen, Religion und Ethnizität. Die Wirtschaftsbeziehungen jüdischer Unternehmer im späten Zarenreich
Felix Westrup: Wissenschaft, Religion und moderne Geisteskultur. Die deutschsprachige Religionsphilosophie um 1900
17.30-18.00 Gespräch mit den AutorInnen der neuen Publikationen und Kaffeepause
18.00 Prof. Dr. Martin Schulze Wessel:
Festvortrag „Traditionen und Perspektiven der modernen Religionsgeschichtsschreibung“ mit einem anschließenden Gespräch mit den Sprechern desr IGK „Religiöse Kulturen“ aus Praha und Poznań PhDr. Miroslav Kunštát Ph.D und Dr. hab. Przemysław Matusik
Moderation: Dr. Jana Osterkamp
Ab 19.30 Empfang
25. Juni 2018 | Kunst und Kultur, Literatur
Das Lyrische Quartett mit Kristina Maidt-Zinke, Florian Kessler und Hubert Spiegel und als Gast Ilma Rakusa.
Dienstag, den 17. Juli 2018, 20 Uhr
Veranstaltungsort: Lyrik Kabinett
Eintritt: € 8 / € 6, Mitglieder: freier Eintritt
Abendkasse, freie Platzwahl
Als Ausklang der Sommersaison wird es auf dem Podium des Lyrik Kabinetts wieder hoch hergehen: Die kritische Runde des Lyrischen Quartetts – Kristina Maidt-Zinke, Hubert Spiegel und Florian Kessler – werden sich wieder animiert über drei lyrische Neuerscheinungen austauschen und einen älteren Gedichtband einem „Haltbarkeitstest“ unterziehen. Gast der Runde ist diesmal Ilma Rakusa, geboren in Rimavská Sobota (Slowakei). Die Dichterin, Prosa-Autorin, Literaturkritikerin, Dozentin und Übersetzerin aus dem Französischen, Russischen, Ungarischen und Serbokroatischen wurde schon vielfach ausgezeichnet: mit dem Schweizer Buchpreis, dem Berliner Literaturpreis u. v. a. Sie ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Zuletzt (2016) erschienen von ihr der Gedichtband Impressum: Langsames Licht, der auch in die Lyrik-Empfehlungen aufgenommen wurde, und beim Lyrik Kabinett ihre Münchner Rede zur Poesie: Listen, Litaneien, Loops. Zwischen poetischer Anrufung und Inventur.
13. Juni 2018 | Call for Papers, Rumänien, Sprache
Die Germanistikabteilung der Hermannstädter Philologischen Fakultät veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Germanistischen Seminar der Europa-Universität Flensburg vom 22. – 24. November 2018 eine wissenschaftliche Tagung.
Sie sind herzlich eingeladen, sich an dieser Tagung mit einem Beitrag in deutscher Sprache (Sprach- oder Literaturwissenschaft, Landeskunde oder Didaktik) zu beteiligen (Vortragsdauer: 20 Minuten, 10-minütige Diskussion). Die Tagung wird in den Räumlichkeiten der Lucian-Blaga-Universität, Sibiu, Rumänien (B-dul. Victoriei Nr. 10) stattfinden.
Anreisetag ist Donnerstag, der 22. November 2018. Die Tagungsarbeiten beginnen am Freitag, dem 23. November und enden am Samstag, dem 24. November.
Die Aufsätze werden in den Germanistischen Beiträgen Band 44 und Band 45 (2019) herausgegeben.
Die Kosten für Übernachtung und Verpflegung werden von den Veranstaltern getragen. Reisekosten können nicht rückerstattet werden.
Die Tagungsgebühr für rumänische und ausländische Teilnehmerinnen und Teilnehmer beträgt 200 lei (bzw. 45 Euro).
Anmeldungen – eine 250 Wörter umfassende deutsche Zusammenfassung, nebst Vortragstitel – sind bis zum 1. Oktober 2018 per E-Mail bei Dr. Maria Sass (sass_maria@yahoo.co.uk; maria.sass@ulbsibiu.ro) einzureichen.
12. Juni 2018 | Kunst und Kultur, Siebenbürgen
Das Haus des Deutschen Ostens präsentiert im Rahmen einer Veranstaltung am 5. Juli 2018 den Dokumentarfilm „Sie sollen sich nicht lassen – Erinnerungen und Entwicklungen in Siebenbürgen“ von Filmemacher Manuel Stübecke.
Manuel Stübecke, Journalist, Regisseur und Bildungsreferent, stellt mit Hilfe von Vortrags- und Filmelementen die Welt der Rumänien-Deutschen vor. Er hat zeitweise unter den Siebenbürger Sachsen gelebt und gearbeitet. Seine Dokumentarfilmreihe ist in den Jahren 2013 bis 2015 entstanden – 15 Interviews mit Vertretern der deutschen Minderheiten in Rumänien. Bekannte und unbekannte Menschen teilten ihre Erfahrungen. Nicht nur die Erinnerungen, sondern auch die aktuellen wie kommenden Entwicklungen sind Teil der Geschichte. Und die Entwicklungen haben eine klare Botschaft: In der letzten Folge wird der junge Bukarester Pfarrer Andrei Pinte, der orthodox getauft wurde und konvertierte, bei einem Hausabendmahl begleitet. Einer alten Siebenbürger Sächsin sagt er: „Sie sollen sich nicht lassen!“ Geben Sie sich nicht auf! Die Geschichte ist noch nicht zu Ende!
Hier geht’s zum Veranstaltungskalender des HDO: HDO Veranstaltungen (externer Link)
Haus des Deutschen Ostens
Am Lilienberg 5
81669 München
22. Mai 2018 | Call for Papers, Kunst und Kultur, Literatur, Sprache
vom 4. bis 6. Oktober 2018
in Zusammenarbeit mit der Filiale Veszprém der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Stiftung Előd Halász
Das Institut für Germanistik und Translationswissenschaft an der Pannonischen Universität Veszprém organisiert am 4.-6. Oktober 2018 eine interdisziplinäre Tagung, in deren Mittelpunkt der aus unterschiedlichen Wissens- und wissenschaftlichen Bereichen bekannte Begriff „Ereignis“ steht. Um uferlose interdisziplinäre Diskurse einzudämmen, möchte sich die Tagung vor allem auf linguistische (auch psycholinguistische), literatur- und kulturwissenschaftliche, literatursoziologische sowie translationswissenschaftliche Beiträge beschränken. Im Folgenden werden einige mögliche Zugänge zum Begriff bzw. dem Phänomen „Ereignis“ skizziert:
Linguistische Zugänge können beispielsweise von Pustejovskys Ansätzen der Ereignisstruktursemantik und der Wortfeldtheorie(n) von Wotjak, Geckeler und Lutzeier ausgehen. Es kann danach gefragt werden, wie anhand ereignisstruktursemantischer Analysen die Bedeutungsstruktur deutscher und anderssprachiger (z.B. englischer, ungarischer) verbaler Felder zu modellieren ist. Seit der kognitiven Wende in der Psychologie fragt man intensiv danach, wie die Bedeutungen der Wörter im Gehirn des Menschen repräsentiert werden. In Anlehnung an Engelberg kann man davon ausgehen, dass die Bedeutungsrepräsentation der Verben in ihren Ereignisstrukturen besteht. Die Verben bezeichnen Ereignisse, die aus miteinander über verschiedene Relationen verknüpften Teilereignissen verschiedener Arten bestehen. Es stellt sich dabei die Frage, wie eine angemessene Theorie zur Repräsentation der Verbbedeutung zu entwickeln bzw. der bereits vorhandene ereignisstrukturbasierte Ansatz vor dem Hintergrund einer kontrastiven semantischen Analyse weiterzuentwickeln ist. Das Korpus dazu können u.a. auch Wortfelder bilden. Es ist weiterhin zu untersuchen, wie Ereignisstrukturen in eine Rahmentheorie zur Repräsentation der Argumentstruktur und Valenz der Verben eingebettet werden können. Ein mögliches Untersuchungsziel könnte sein, den semantischen Gehalt der in den Ereignisstrukturen verwendeten Prädikate und Relationen möglichst präzise zu bestimmen und (intra- und/oder interlingual) zu vergleichen. Zu prüfen ist auch, ob das gesamte semantische Kenntnissystem als Ereignisstruktur aufgefasst werden kann.
Im Mittelpunkt translationswissenschaftlicher Forschungsarbeit kann die Translation als kommunikatives und interkulturelles Ereignis stehen, wobei der Prozessaspekt und die interkulturelle Dimension betont werden (Snell-Hornby). In diesem Zusammenhang sind weitere Beispiele für unterschiedliche Konzeptionen das Übersetzen als hermeneutischer Prozess des Verstehens von Texten (Stolze), das Übersetzen als interkulturelle Vermittlung im Sinne des interkulturellen Managements (Katan), das Übersetzen als Verhandlungsprozess (Eco), das Übersetzen als kreative Sprachentwicklung, das Übersetzen als funktionaler Prozess (Nord) und das Übersetzen als sozialer Prozess (Beiträge in Wolf/Fukari). Die Forschung im Bereich der Dolmetschwissenschaft kann sich auf sprachwissenschaftliche Themen in Bezug auf die kognitive Belastung (Effort Model), das Arbeitsgedächtnis, die Hirnfunktionen und Aktivierungsmuster sowie auf die Nutzererwartungen, Bewertungen und Reaktionen als Qualitätsindikatoren konzentrieren. Zur starken Zunahme der Dolmetschaktivität und -wissenschaft im 21. Jahrhundert zählen weitere Dolmetschereignisse wie das Dolmetschen der Gebärdensprache, das Dialog- und Teledolmetschen, das Videodolmetschen, die Speech-to-Speech-Übersetzungssysteme wie auch die Entwicklung von Tools und Technologien zur Datensammlung und Analyse von Sprachdaten.
Literaturwissenschaftlich-narratologische Zugänge können von Jurij Lotmans Definition des Begriffs „Ereignis“ als der „Verletzung irgendeines Verbotes“, bzw. von der Relation zwischen „Ereignis“ und „Sujet“ (beide aufgefasst von Lotman als topologische Kategorien) ausgehen. Betrachtet werden können etwa Novellen im Hinblick auf das „Novum“, wie dieses zumindest seit Goethe zur Grundstruktur der Novelle gehört bzw. auf den Wendepunkt der Novelle als grundsätzliche Strukturkomponente und lesersteuerndes Deutungspotenzial. Will man überdies das Ereignis mit Wolf Schmid (Elemente der Narratologie) als „eine Zustandsveränderung, die besondere Bedingungen erfüllt“ unter die Lupe nehmen, ergeben sich Fragen nach dem Beziehungsgeflecht Ereignis-Ereignishaftigkeit-Erzählwürdigkeit, Faktizität oder Realität der Veränderung, oder nach dem Grad der Ereignishaftigkeit (Relevanz, Imprädiktabilität, Konsekutivität, Irreversibilität, Non-Iterativität) bzw. ihrem intertextuellen und (inter)kulturellen Kontext usw. Einbezogen werden können auch Ereignishaftigkeit als kultur-und literaturhistorisches Phänomen oder Relationen zwischen Ereignishaftigkeit und Ritualität. Bevorzugt werden dabei Beiträge, die die obigen Begriffskomplexe auf (deutschsprachige) literarische Texte beziehen bzw. jene mit diesen „illustrieren“.
Literatursoziologisch und rezeptionsgeschichtlich lässt sich ein literarisches Werk als ein Ereignis auffassen, wenn es durch sein Erscheinen und seine Wirkungspotenz einen rezeptiven Diskurs auslöst, der „eventuell“ auch andere „Felder“ (Pierre Bourdieu) als das literarische, nämlich das soziale oder das politische Feld berührt oder mit ihnen in Konflikt gerät. Man kennt z.B. den Skandal, den Gerhart Hauptmann mit seinem Vor Sonnenaufgang oder Rolf Hochhuth mit seinem Stellvertreter auslöste, die diskursive Wirkung, die diese Stücke auf soziale und politische Felder der gegebenen Epoche ausübten. In anderen Fällen sind diese Wirkungen selbst innerhalb des literarischen Feldes subtiler oder erst aus einer bestimmten zeitlichen Distanz erkennbar. Das Ereignis manifestiert sich dann als Eingang in die Geschichte der poetischen Sprache, als Anfang einer neuen poetischen Ausdruckform. Überlegenswert scheint schließlich der Moment der Begegnung des literarischen Textes mit einem anderen Medium, wodurch Ereignis zur intermediellen Transformation wird. In diesem Fall könnte danach gefragt werden, inwiefern die diversen Medien (z.B. Musik oder Film) das Zum-Ereignis-Werden des literarischen Textes beisteuern.
Last but not least: Innerhalb der Tagung wird auch eine Jugend-Sektion geplant, zu der ungarische und ausländische Nachwuchsgermanisten sowie Germanistik-, Translations- und Dolmetschwissenschaft-Studierende und Doktorand(inn)en eingeladen werden. Es handelt sich um eine selbständige Sektion, die zur Vorstellung von Studierenden und Nachwuchswissenschaftlern dient, ohne dass eine strenge Anknüpfung an die obigen Themen erforderlich wäre.
Für die einzelnen Vorträge sind 20 Minuten, für die anschließende Diskussion 10 Minuten vorgesehen. Abstracts im Umfang von max. 2500 Zeichen (inkl. Leerzeichen) müssen spätestens bis 31. Mai 2018 an die folgenden Adressen geschickt werden:
ereignis@mftk.uni-pannon.hu und vszabol@gmail.com
Über die Annahme der Beitragsvorschläge wird bis Ende Juni 2018 entschieden. Reise-, Verpflegungs- und Übernachtungskosten können von den Veranstaltern leider nicht übernommen werden.
Die Registrationsgebühr beträgt 15.000 HUF/50 EUR, (Phd-)Studentengebühr 7500 HUF/25 EUR (Nachweis erforderlich) und beinhaltet: Abstractheft, Tagungsbüfett in den Pausen, Empfang, Publikationsmöglichkeit im Tagungsband.
Einzahlung der Registrationsgebühr bis. 31. Juli 2018
Die Bankverbindung zur Überweisung:
Halász Előd Alapítvány
IBAN: HU51 1174 8007 2481 2441 0000 0000
BIC (SWIFT): OTPVHUHB
Bitte unbedingt angeben: Ereignis – Registrationsgebühr – Nachname
Die Konferenzsprachen sind Englisch, Deutsch und Ungarisch.
Weitere Informationen zur Tagung (Programm, Plenarvorträge etc.) finden Sie ab Mitte Juli 2018. unter http://german.uni-pannon.hu/index.php/hu.
Das Organisationskomitee:
Dr. habil. Katalin Ortutay,
Dr. habil. József Tóth,
Dr. habil. László V. Szabó