Vergessener Holocaust in Transnistrien?

Erinnerungswerkstatt und Filmdokumentation

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Vergessener Holocaust in Transnistrien?

Erinnerungswerkstatt und Filmdokumentation

(April – Dezember 2019)

Filmprojekt

Vergessener Holocaust – Eine Reise nach Transnistrien (Dokumentarfilm, DE/UKR/MD 2020, 35 Min., Deutsch und OmdU). Regie: Resa Asarschahab, Konzept: Markus Winkler und Kristina Forbat. Mit Felix Zuckermann, Oleksii Yakoviichuk, Mykola Kuschnir, Klara Katz u. a.

Die Filmvorbereitungen liefen seit April, gedreht wurde an acht Tagen im Oktober, die Postproduktion konnte kürzlich abgeschlossen werden. Nun liegt der Film in einer finalen Fassung vor und wird im Frühjahr 2020 zusammen mit den Beteiligten präsentiert.

Im Film lernt Felix Zuckermann aus Czernowitz, Sohn der Holocaust-Überlebenden Rosa Zuckermann, erstmals die Deportationsroute seiner Mutter kennen. Während der acht Drehtage im Oktober 2019 sucht Felix die Orte in Transnistrien auf, an denen seine Mutter im Winter 1941/42 ihre Eltern, ihren Ehemann und ihren ersten Sohn verlor. Es ist eine Fahrt in die Vergangenheit – mit einem Blick in die Gegenwart und Zukunft der Region, da der Film auch die Erinnerungswerkstatt in Mohyliw-Podilskyj einbezieht. Die jungen Ukrainer und Moldauer befragen Felix über die Geschichte seiner Mutter, sie treffen Zeitzeugen der jüdischen Gemeinden und sprechen darüber, wie das Interesse an der Erinnerung der damaligen Zeit heute für die jüngeren Generationen in ihren Ländern geweckt werden kann.

Berichte und Fotos zum Film
Drehtag 1 (7. Okt.)
Drehtage 2–4 (8.–10. Okt.)
Drehtage 5–8 (11.–14. Okt.)

Erinnerungswerkstatt in Mohyliw-Podilskyj (10.–13.10.2019)

20 ukrainische und moldauische Studierende, Schülerinnen und Schüler aus Czernowitz/Tscherniwzi, Mohyliw-Podilskyj (Ukraine), Bălți und Chișinău (Republik Moldau) beschäftigten sich unter der Leitung von Mykola Kuschnir (Czernowitz) und Dr. Galina Corman (Chișinău) mit der Geschichte des Holocaust in Transnistrien. Die Teilnehmenden hatten sich im Frühjahr 2019 auf die Werkstatt beworben (Ausschreibung in drei Sprachen) und anschließend Präsentationen der Ghetto- und Deportationsgeschichte ihrer Heimatorte vorbereitet. Der Fokus der Erinnerungswerkstatt lag auf dem Austausch und den gemeinsamen Recherchen in binationalen Teams. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernten durch Erzählungen, Briefe, Fotos und Filme den historischen Kontext und Schicksale der jüdischen Deportierten in den Ghettos und Lagern Transnistriens zwischen 1941 bis 1944 kennen. Sie begaben sich selbst auf Spurensuche, sprachen mit Zeitzeugen in den jüdischen Gemeinden von Mohyliw-Podilskyj und Berschad (Ukraine), erkundeten die aktuellen Formen der Erinnerungskultur in der Region und befragten Passanten, welche Rolle die Erinnerung an den Holocaust für sie heute noch spielt.

Berichte und Fotos zur Werkstatt
„Atelierul Memoriei – Holocaustul uitat din Transnistria?“ (Galina Corman, Chișinău, 18. Okt. 2019)
Projektauswertung und -vermittlung in Bălți (Workshop in Bălți, 12. Nov. 2019)
Projektbericht (Maria Coroi, Chișinău, 9. Dez. 2019)

Vergessener Holocaust in Transnistrien?

Erinnerungswerkstatt und Filmdokumentation

(April – Dezember 2019)

 

Ein Projekt des IKGS, in Zusammenarbeit mit dem Museum für jüdische Geschichte und Kultur der Bukowina (Czernowitz, Ukraine), der Nationalen Jurij-Fedkowytsch-Universität (Czernowitz) und der Staatlichen Universität der Republik Moldau (Chișinău).

Blick über Otaci, Dnister und Mohyliw-Podilskyj ©Markus Winkler (zum Vergrößern Bild anklicken)

Projektförderung durch das Auswärtige Amt aus Mitteln des Programms zum Ausbau der Zusammenarbeit mit den Zivilgesellschaften in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland.

Projektinhalt: Erinnerungswerkstatt und Filmdokumentation über die Deportation der jüdischen Bevölkerung in die Lager Transnistriens. Das Projekt vernetzt Multiplikatoren und möchte die Gedenkkultur und den Wertediskurs in der Ukraine und der Republik Moldau fördern. Teilnehmende sind zivilgesellschaftliche Akteure, Multiplikatoren, Zeitzeugen sowie 20 Studierende und Schüler der gymnasialen Oberstufe aus beiden Ländern.

Deportation Czernowitzer Juden nach Transnistrien 1941-42 ©Yad Vashem

Deportation Czernowitzer Juden nach Transnistrien 1941/42 © Yad Vashem

Zum Hintergrund der Region: Das Gouvernement Transnistrien bestand von 1941 bis 1944 zwischen den Flüssen Dnister und Südlicher Bug (heute Ukraine) auf einer Fläche von ca. 42.000 km². Auf diesem Territorium, das seit dem Abkommen von Tighina im August 1941 unter rumänischer Besatzungsverwaltung stand, war im Zweiten Weltkrieg ein Lagersystem errichtet worden. Mehr als 150.000 Juden wurden aus der Bukowina und Bessarabien in Ghettos, Arbeitskolonien und Zwangsarbeitslager deportiert, die in rund 175 Ortschaften (Städte, Kleinstädte, Dörfer, ländliche Niederlassungen und Kolchosen) eingerichtet worden waren. In den von der rumänischen Gendarmerie bewachten Lagern kam es zu Exekutionen, viele Menschen starben vor Hunger und an Typhus. Zwei Drittel der Deportierten überlebten die Lager nicht. Im März 1944 wurden die Lager von der sowjetischen Armee befreit. Die Geschehnisse in Transnistrien waren Teil der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik, fanden aber lange Zeit wenig Beachtung in der Öffentlichkeit.

Felix Zuckermann und Mykola Kuschnir (Museumsdirektor) im Gespräch im Jüdischen Museum Czernowitz, Vorbereitung der Filmdokumentation © Markus Winkler

Das Vernetzungstreffen im April 2019 in der Ukraine und der Republik Moldau führte die Projektpartner aus Czernowitz, Chișinău und Mohyliw-Podilskyj zusammen. In Czernowitz wurde mit Felix Zuckermann, dem Hauptprotagonisten des geplanten Dokumentarfilms (Drehzeit 6.-16. Oktober 2019), eine Vorauswahl der Drehorte besprochen. Das Projektteam besuchte während seiner Recherchereise auch Mohyliw-Podilskyj am Dnister, wo sich zwischen 1941 und 1944 das größte Ghetto in der Region befand. Dieser Ort war aber auch Durchgangslager für viele Juden aus der Bukowina und Bessarabien während der Deportation in die Ghettos und Lager Transnistriens. Es wurden Erinnerungsorte aufgesucht und mit Multiplikatoren und Zeitzeugen vor Ort gesprochen. Dr. Galina Corman (Staatliche Universität der Republik Moldau, Chișinău) und Mykola Kuschnir (Direktor des Jüdischen Museums, Czernowitz), die gemeinsam die handlungsorientiere Erinnerungswerkstatt in Mohyliw-Podilskyj leiten werden (10.-13. Oktober 2019, mit 20 ukrainischen und moldauischen Schülern und Studierenden), tauschten sich mit dem Projektleiter Dr. Markus Winkler über die Inhalte und Formate aus.

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