Newsletter der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien: Wintersemester 2018/19

Vor sechs Jahren, im November 2012, wurde die Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien ins Leben gerufen. Zahlreiche ausgezeichnete Promotions- und Postdoc-Projekte sind seither abgeschlossen worden – ein Nachweis für den Erfolg des Qualifizierungsprogramms der Graduiertenschule. Zuletzt haben etwa Marija Đokić, Henner Kropp, Jacqueline Nießer, Henriette Reisner und Jan Tesař ihre Dissertationen verteidigt. Melanie Arndt, Friederike Kind-Kovács und Jasper Trautsch reichten ihre Habilitationsschriften ein.

Die Graduiertenschule hat sich zudem längst als Forum für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Qualifizierungsstufen etabliert. Im zurückliegenden Sommersemester konnte die Graduiertenschule so wieder einige renommierte Fellows – diesmal allesamt Frauen – begrüßen: Kateřina Králová (Prag), Marina Mogilner (Chicago), Caitlin Murdock (Long Beach) und Meltem Toksöz (Providence); hinzu kamen noch Polina Barvinska (Odessa) und Lucie Dušková (Prag), die sich auf Basis eigener Förderungen in die Graduiertenschule einbrachten. Ihre jeweiligen Forschungen lieferten u. a. wichtige Impulse für die Arbeit in den Studiengruppen.

Die abermals gemeinsam mit dem Masterstudiengang Osteuropastudien und lokalen Partnern veranstaltete Sommerschule nahm sich im September aus interdisziplinärer Perspektive des Lebens an und mit dem (Mittel-)Meer an. Am Beispiel der Stadt Rijeka wurden vielfältige Themen verhandelt: Umwelt und Tourismus, Arbeitswelten, Erinnerungskultur(en), Multiethnizität und Sprachen sowie Rijeka als Europäische Kulturhauptstadt 2020. Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnten wir auch Masterstudierende und Promovierende aus Kroatien, Ungarn, Russland, Serbien und den USA begrüßen, die von den Diskussionen und Exkursionen sehr angetan waren.

Wir können also mit einigem Stolz auf das Erreichte blicken. Aber die Welt im Jahr 2018 unterscheidet sich von der im Jahr 2012. Wie passen etablierte theoretische und methodische Prämissen noch zu den heutigen Herausforderungen? In welchen geografischen Zusammenhängen müssen wir die Themen unserer Forschung denken? Und welche Folgen haben transnationale Kommunikationspraktiken auf die Produktion, Annahme und Anwendung von Wissen? Es ist Zeit für eine Zwischenbilanz und für eine Diskussion der Paradigmen, Themen und Methoden der Ost- und Südosteuropastudien als Area Studies für das 21. Jahrhundert. Die fünfte Jahrestagung der Graduiertenschule wird sich daher vom 25. bis 27. Oktober 2018 in München dieser Aufgabe widmen und mit aktuellen und ehemaligen Promovierenden und Postdocs sowie international renommierten Kolleginnen und Kollegen anhand konkreter Forschungseinblicke über diese und andere Fragen debattieren.

Hier finden Sie den aktuellen Newsletter als PDF-Datei.

Workshop: Historische Minderheitenforschung in Deutschland. Institution, AkteurInnen, Profile

Das Netzwerk Historische Minderheitenforschung lädt zu seinem zweiten Workshop am 21. und 22. November 2018 nach Flensburg zum Thema „Historische Minderheitenforschung in Deutschland. Institutionen, AkteurInnen, Profile“ ein. Mit dem Netzwerk soll ein überregionales, interdisziplinäres Diskussions- und Kommunikationsforum für Forschende und NachwuchswissenschaftlerInnen aus dem weiten Bereich der historisch arbeitenden minority studies geschaffen werden, das einen kontinuierlichen fachlichen Austausch befördert und damit zu einer Profilschärfung der Historischen Minderheitenforschung beiträgt.

Die OrganisatorInnen laden VertreterInnen einschlägiger Forschungseinrichtungen sowie alle interessierten KollegInnen herzlich zur Beteiligung ein. Ziel des Workshops ist ein Austausch über Profile, Kompetenzen und Interessen sowie davon ausgehend eine Diskussion über die Perspektiven der Historischen Minderheitenforschung und die Potenziale des Netzwerks.

Alle Interessierten können sich bis zum 21. Mai 2018 per E-Mail an folgende Adressen anmelden:

  • Sebastian Lotto-Kusche (Europa-Universität Flensburg): lotto-kusche@izrg.de
  • Friedrich Pollack (Sorbisches Institut Bautzen): friedrich.pollack@serbski-institut.de
  • Sonja Wolf (European Centre of Minority Issues Flensburg): wolf@ecmi.de

Weitere Informationen zum Workshop finden Sie auf serbski-institut.de (externer Link).

10 Jahre Landeskirchliches Museum

Das Landeskirchliche Museum im Friedrich-Teutsch-Begegnungs- und Kulturzentrum wurde im Sommer 2007 eröffnet. Vorausgegangen war ein überaus mühevoller Kampf der Kirchenleitung um die Rückgewinnung des ehemaligen Luther-Hauses, das Ansuchen um finanzielle Unterstützung – die dankenswerter Weise vom deutschen Bundesministerium des Inneren und von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien über das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland kam –, sowie sorgfältige fachmännische Planungs- und Einrichtungsarbeiten der Dauerausstellung. Diese präsentiert die Geschichte und Tradition der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. Auf zehn Jahre Nutzung dieses Bildungsortes sehen wir dankbar zurück.

Mit einer Andacht und Musik wollen wir den Anlass festlich begehen. Eine Diaschau und Grußworte weisen auf vielfältige Erfahrungen mit dem Landeskirchlichen Museum hin. Zu Beginn, um 17 Uhr, wird in der Johanniskirche eine Andacht, geleitet von Bischof Reinhart Guib und musikalisch gestaltet von Landeskirchenmusikwart Jürg Leutert, stattfinden. Es folgen danach im Terrassensaal, im ersten Stock des Teutsch-Hauses, Bilder aus den ersten Jahren des Museums sowie Grußworte und Erinnerungen von Persönlichkeiten der Gründungszeit – Gäste sind Altbischof D. Dr. Christoph Klein, Altlandeskirchenkurator Prof. Dr. Paul Niedermaier, erste Museumsleiterin Dr. Gudrun Ittu und Diplomrestauratorin Elisabeth Binder. Nach einem kurzweiligen Museumsrundgang mit Überraschung bleibt den Gästen Zeit, sich an einem Büfett zu stärken und untereinander ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt, für Übersetzung ins Rumänische wird gesorgt.

Zugleich wird an diesem Tag die Ausstellung „Reformatio Tansilvaniae 500 – Sakrale Räume und Symbole im Wandel” abgeschlossen, wobei uns das Thema Reformation auch weiterhin beschäftigen wird.

Jahrestagung des IVDE Freiburg

Vom 9.–10.11.2017 findet die Jahrestagung des IVDE Freiburg unter dem Thema „Bildungseinrichtungen der ‚auslanddeutschen Volkstumsarbeit'“ in Freiburg statt.

Spätestens mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande (1881) wurde das kulturelle, wirtschaftliche und imperiale Interesse im Deutschen Reich an den „Auslanddeutschen“ offenkundig. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg entwickelte es sich zur „Mode“. Außerhalb des Reichs hatten im 19. Jahrhundert die ethnischen Auseinandersetzungen zugenommen, die sich ab 1918 mit der Gründung neuer Staaten verstärkten. Ab dieser Zeit wurde die Kooperation zwischen privaten und staatlichen Stellen im Reich und den Organisationen und Institutionen der „Auslanddeutschen“ verstärkt ausgebaut. Diese Aktivitäten erstreckten sich auf ein ideologisches Spektrum von ethnischer Selbstbehauptung bis radikaler völkischer Indoktrination sowie von Minderheitenschutz bis zu Grenzrevisionen. Unter dem Label „auslanddeutsche Volkstumsarbeit“ wurde massenwirksam auf diese Ziele hingearbeitet. In Vereinen, Kirchen, aber besonders in Schulen sollte nicht nur die deutsche Sprache und Kultur gepflegt werden, sondern die Schülerinnen und Schüler geschlechtsspezifisch für das Deutschtum gewonnen werden, was auch eine politische Instrumentalisierung einschloss.
Zur Förderung einer ethnischen Elite wurden beginnend mit der Gründung der Deutschen Burse zu Marburg im Jahre 1920 weitere Bursen gegründet, also Wohnheime, in denen neben ihrem Studium ausland-und grenzlanddeutsche Studenten als künftige Akteure für die „Volksgruppen“-Führungen herangezogen werden sollten. Hierboten sich vor allem Schulen, aber auch entsprechende Organisationen und Institutionen außerhalb des Reichs als „Lieferanten“ von Burseninsassen an.
Die interdisziplinäre Tagung will neben der Geschichte den Lehrinhalten und vermittelten kulturellen Praxen dieser Bildungseinrichtungeninner-und außerhalb des Deutschen Reiches nachgehen. Des Weiteren werden sowohl das ideologische Gedankengut als auch die jeweiligen Netzwerkethematisiert.

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Verbannung und Exil

Die Botschaft von Rumänien in der Bundesrepublik Deutschland in Berlin veranstaltet am 13. September 2017 den Thementag „Verbannung und Exil. Ovid|Rumänien|Europas Identität|Mutterland Wort“ anlässlich des zweitausendsten Todestags Ovids.

Ovid starb in der Verbannung – vor 2000 Jahren. Am Schwarzen Meer in der Stadt Tomis. Sie heißt heute Constanta und ist Rumäniens Stadt am Meer und zur Welt.
Ovids Verse klagen immer noch über das Ausgesetzsein, über Exil und Verbannung. Die Epistulae ex Ponto und die Tristia beschwören immer noch und ersehnen Rückkehr und Heimat. Zugleich lassen sie wie die Metamorphosen erkennen: es gibt nur eine wirkliche Zuflucht, ins „Mutterland Wort“, von der die aus der Bukowina stammende Dichterin Rose Ausländer dichtete.
Ohne die Leidensfähigkeit, ohne den Willen der Menschen, sich das innere Vaterland – die Freiheit – zu erkämpfen sowie Literatur und Kunst als Überlebensmittel zu erkennen, wäre Europa verloren. Wir brauchen die „Atemschaukel“ der Dichterinnen und Dichter, der Historiker und Juristen, die wie Herta Müller auf Menschenrechte, Selbstverantwortung und Solidarität setzen.
Rumänien liegt im Herzen Europas. Es ist ein Land im Aufbruch, ständig unterwegs zu sich und zu anderen Nationen. Es braucht gerade jetzt europäischen Geist und die Sprache der Dichter wie Ovid.
Deshalb lädt der Botschafter Rumäniens in der Bundesrepublik Deutschland, S.E. Emil Hurezeanu ein zu Vorträgen und Gesprächen, die Erkenntnisse weiten können. Verbannung, Ausgrenzung, Zensur und Exil gehören nicht zu Europa.

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