Rezension zu den „Giftschränken“ in der Siebenbürgischen Zeitung
Was die kommunistischen, geheimen Sicherheitsorgane an Archivunterlagen hinterlassen haben, sind tatsächlich wahre Giftschränke. Ihre Aktenbestände geben nämlich Einsicht in die geheime, allumfassende Überwachung, Verfolgung, Verhaftung und Einkerkerung der als gefährlich eingestuften Bürger in den fünf Jahrzehnten kommunistischer Herrschaft, über die getroffenen diktatorischen Maßnahmen gegen regimefeindliche Handlungen und Personen sowie über willkürliche Eingriffe. Suspekte Personen wurden den Gerichten ausgeliefert und mit hohen Kerkerstrafen belangt.
Die Einsicht in diese giftige Hinterlassenschaft wurde erst 1989/91 nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft in den Ostblockstaaten möglich. Es dauerte allerdings einige Jahre, bis die Giftschränke geöffnet wurden.
Was Forscher dabei entdeckten, bildet den Gegenstand der abgedruckten Referate des vorliegenden Bandes, die im Jahr 2015 auf einer internationalen Tagung des Instituts für deutsche Literatur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) an der Humboldt-Universität Berlin geboten wurden.
Hier geht es zur vollständigen Rezension:


In Boston, Massachussetts (USA), fand vom 6. bis 9. Dezember die 50. Jahrestagung der ASEEES (Association for Slavic, Eastern European and Eurasian Studies) statt. Das IKGS war dort mit seinem Mitarbeiter Tobias Weger präsent. Die ASEEES-Tagungen können ohne Übertreibung als eine Art Weltkongress der Osteuropaforschung bezeichnet werden. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt dabei auf der Befassung mit Russland und dem postsowjetischen Raum, aber auch Zentral- und Südosteuropa sind thematisch stark vertreten. Neben einer Vielzahl von Panels zu historischen, kulturwissenschaftlichen, literaturhistorischen und politikwissenschaftlichen Themen bieten die ASEEES Conventions die Möglichkeit, andere Wissenschaftler/innen und neuere Arbeiten kennenzulernen.
Der Historiker John C. Swanson (University of Tennessee) hat sich in seinem Buch „Tangible Belongings. Negotiating Germanness in Twentieth‐Century Hungary. Pittsburgh 2017“, mit Identitätsfragen der Deutschen in Ungarn auseinandergesetzt. Für dieses Buch erhielt er jetzt in Boston den renommierten „Barbara Jelavich Book Prize“, den die ASEEES in Erinnerung an die Südosteuropahistorikerin Barbara Jelavich (1923–1995) vergibt. Eine deutsche Übersetzung dieses Standardwerks befindet sich gerade in Arbeit und wird voraussichtlich 2019 in der Buchreihe des IKGS erscheinen.
Während seines Aufenthalts konnte Tobias Weger auch einige Tage in der Boston Public Library, der zweitgrößten Kommunalbibliothek der USA, zu seinem aktuellen Forschungsprojekt zur Geschichte der Deutschen in bzw. aus der Dobrudscha recherchieren. Zwischen 1880 und 1914 wanderten viele Deutsche aus dem Donau-Schwarzmeer-Gebiet in die Vereinigten Staaten von Amerika bzw. nach Kanada aus. Über intensive wechselseitige Korrespondenzen und regelmäßige Reportagen blieben sie über den Atlantik hinweg mit den in der Dobrudscha verbliebenen Angehörigen und Nachbarn in Beziehung. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden erneut Deutsche aus der Dobrudscha in Nordamerika eine neue Heimat.
