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3.2.2026

 

Tagung

Die Zukunft von Gestern – Visionen, Konzepte, Szenarien und deutschsprachige Gemeinschaften in Mittel- und Südosteuropa

Die Tagung nimmt historische Zukunftsprojektionen deutschsprachiger Gemeinschaften im Beziehungsraum Mittel- und Südosteuropas epochenübergreifend und interdisziplinär in den Blick. Visionen, Konzepte und Szenarien werden als historische Quellen verstanden, die Aufschluss über politische Positionierungen, kulturelle Selbstverortungen, Akteure, Netzwerke und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse geben. Ziel ist es, alternative Zukunftsprojektionen der Vergangenheit zu analysieren und ihre Bedeutung für das Verständnis der Gegenwart zu reflektieren.

Veranstalter: Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München in Zusammenarbeit mit dem Historischen Kolleg, München
Datum: 23. und 24. Oktober 2026
Ort: Historisches Kolleg, München
Konferenzsprachen: Deutsch und Englisch
Deadline: 31. Mai 2026
Kontakt: kuehrer@ikgs.de

Abstracts (ca. 300–500 Wörter) sowie eine kurze biografische Notiz werden bis zum 31. Mai 2026 an kuehrer@ikgs.de erbeten. Die Benachrichtigung über die Annahme der Beiträge erfolgt bis Ende Juni 2026. Eine begrenzte Übernahme von Reise- und Übernachtungskosten ist vorgesehen.

Visionen, Konzepte und Szenarien zeigen Möglichkeiten auf, reagieren auf Krisen und eröffnen zugleich spezifische historische Perspektiven auf eine imaginierte Zukunft. Sie artikulieren Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen, dienen als Instrumente politischer, gesellschaftlicher oder kultureller Orientierung und sind als solche stets Ausdruck ihres zeitgebundenen Kontexts. Nur ein geringer Teil dieser Zukunftsentwürfe wird tatsächlich realisiert. Gerade ihre Nicht-Erfüllung macht sie jedoch zu aufschlussreichen Quellen für das Verständnis unserer Gegenwart, indem sie das Bild der Vergangenheit nuancieren.

Für deutsche bzw. deutschsprachige Gruppen und Individuen im transnationalen Raum Mittel- und Südosteuropas gilt dies in besonderem Maße. Ihre Lebenswelten waren über Jahrhunderte hinweg von imperialen Ordnungen, plurikulturellen Konstellationen, freiwilligen wie erzwungenen Migrationsprozessen, Phasen der wirtschaftlichen wie kulturellen Prosperität, politischen Umbrüchen und Gewalt geprägt. Zukunftsprojektionen entstanden hier häufig unter Bedingungen permanenter Unsicherheit und Bedrohung – als Hoffnung, Strategie, Legitimation oder Abwehr. Sie reflektieren soziale Aufstiegsversprechen ebenso wie Radikalisierungsprozesse, Integrations- und Abgrenzungsdiskurse, Vorstellungen von Rückkehr, Verlust und neuer Heimat sowie konkurrierende Ordnungsvorstellungen in Zeiten tiefgreifenden Wandels.

Besonders deutlich werden diese Ambivalenzen im 19. und 20. Jahrhundert: Von den Nationalisierungstendenzen der einzelnen Völker innerhalb der in diesem Raum dominierenden Imperien über deren Zusammenbruch in der Folge des Ersten Weltkriegs und der darauffolgenden Neuordnung Europas, der politischen Radikalisierung der Zwischenkriegszeit, die im Zweiten Weltkrieg mit seinen vielfältigen Verwerfungen ihren Kulminationspunkt fand, waren auch Deutsche bzw. Deutschsprachige betroffen. Als politische Akteurinnen und Akteure, als Täter:innen, Mitläufer:innen wie auch als Opfer − und mithin beides zugleich.

Die Tagung nimmt solche Zukunftsprojektionen epochenübergreifend und interdisziplinär in den Blick. Sie versteht Visionen, Konzepte und Szenarien nicht primär als Prognosen, sondern als historische Quellen, die Aufschluss über politische Positionierungen, kulturelle Selbstverortungen, Akteure, Netzwerke und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse geben. Ziel ist es, anhand deutscher/deutschsprachiger Gemeinschaften im Beziehungsraum Mittel- und Südosteuropas alternative Zukunftsprojektionen der Vergangenheit sichtbar zu machen und deren Bedeutung für das Verständnis der Gegenwart zu reflektieren.

Die Tagung richtet sich an Beiträger:innen aus Geschichts-, Kultur- und Literaturwissenschaften, sozialwissenschaftlichen Fächern sowie angrenzenden Disziplinen. Vorschläge zu den folgenden Themen sind willkommen, ohne darauf beschränkt zu sein:

  • Rollenzuschreibungen an Deutsche und andere Gruppen im imperialen Kontext,
  • Konzepte wirtschaftlicher Prosperität, Modernisierung und sozialer Ordnung,
  • Akteure und Netzwerke, die Zukunftsvisionen und Szenarien erarbeiten
  • Raumvisionen und Ordnungsvorstellungen zwischen „Mitteleuropa“, „Zentraleuropa“, „Zwischeneuropa“, „Ostmitteleuropa“ und „Südosteuropa“,
  • Religiöse Zukunftsentwürfe und ihre gesellschaftspolitischen Implikationen,
  • Literarische und künstlerische Zukunftsvisionen, literarische Utopien und Dystopien,
  • Deutsch als Sprache sozialen Aufstiegs und kultureller Distinktion,
  • Deutsch-jüdische Emanzipationsnarrative und Zukunftsvorstellungen,
  • Ideologische Konzepte, Radikalisierungsdiskurse und politische Szenarien,
  • Alternative Ordnungsvorstellungen und das „deutsche Element“,
  • Ethnozentrische und rassistische Vorstellungen und Konzepte,
  • Konzepte und Szenarien ethnischer Homogenisierung und „Säuberung“,
  • Zukunftsentwürfe und ideologische Umerziehung im Totalitarismus,
  • Vorstellungen von Rückkehr in Herkunftsgebiete, Verlust und neuer Heimat,
  • Erwartungen, Narrative und Strategien von Auswanderung bzw. Binnenmigration,
  • Historische Rückprojektionen als politische Argumentationsressource für die Gegenwart,
  • Zukunftsentwürfe und -narrative in erinnerungskulturellen Diskursen,
  • Reflektierte Visionen: enttäuschte Erwartungen, gebrochene Hoffnungen und unerfüllte Träume