CfP: Wiederkehr der Katharsis?

Kaum ein Begriff zum Drama wurde so intensiv und über einen so langen Zeitraum kontrovers diskutiert wie der Begriff der Katharsis. Mit der Rezeption der aristotelischen Poetik in der Renaissance sind eine Vielzahl von differenzierten und zum Teil auch widersprüchlichen Vorstellungen von Katharsis entwickelt worden. Von italienischen Gelehrten mit Interesse aufgenommen, und Scalinger, der die Katharsis völlig ablehnte, führt die Diskussion zu den Barockdichtern, wie unter anderen Martin Opitz. Jedoch auch im 18. Jahrhundert blieb die Bestimmung der Katharsis für die Tragödie ein aktuelles Thema, durch Diskussionen im deutschsprachigen Raum zwischen Jacob Bernays, später Friedrich Nicolai, Moses Mendelssohn und Gottlieb Ephraim Lessing wuchs das Bewusstsein der Bedeutung dieses Begriffs und blieb bis in die Gegenwart als wesentliches Moment virulent, wenn auch nicht mehr so stark umstritten.
Neben der aus der Antike und der Poetik des Aristoteles abgeleiteten Vorstellung Katharsis als Reinigung durch „Furcht und Mitleid“ zu sehen, wie sie die moralisierende Rezeption des Begriffes in der Aufklärung und in ihrer Folge während des 19. und 20. Jahrhunderts umriss, steht die Vorstellung einer aus der Kulturgeschichte der Griechen sich abzeichnende qua therapeutische Wirkung der Katharsis, die den Tod der frühen Götter und Titanen enthusiastisch und mit Pathos nachvollzieht. Katharsis bildet in dieser Konzeption eine Brücke zwischen den chthonischen und olympischen Göttern, in der Zeus stets erhöht, während der Tod der frühen Gottheiten „erschüttert“ erlebt wird. Abgeleitet vom dionysischen Kult überträgt sich die kathartische Haltung auch auf das Theater. (Iwanow 1985) Von Bernay ins Feld geführt wurde die etwas abweichende Übersetzung (so auch in der Übersetzung von Nestle 1957), die in der Katharsis eine Entladung (bis hin zu der von Klages und Schuler sowie Freud akzentuierten eher therapeutischen „Triebabfuhr“) annahmen, eine Erweiterung des Begriffs postulierten. Schadewaldt dagegen sah in der Katharsis auch die Möglichkeit, in der Annahme moralisch-rechtlicher Positionen über eine Bestrafung zum Ausgleich und einem Gerechtigkeitsgefühl gegenüber den Beteiligten zu gelangen. (Schadewaldt 1955) Sowohl die neuere Ritualforschung, als auch die Performativität, in der Ausformung von Fischer-Lichte, setzen auf die kathartische Wirkung theatralen (oder performativen) Darbietens und Handelns.
Im Gegensatz zur antiken und neuzeitlichen Bestimmung des Begriffs und der Wirkungsweise der Katharsis tritt in der Moderne und in der Gegenwart ein anderer Aspekt hervor, der erst deutlich werden konnte, nachdem die anderen Literaturgattungen, die Aristoteles in seiner Poetik behandelte, sich in ihrer medialen Präsentationsform stärker vom Drama abgesetzt haben. Während die griechischen Heldenlieder, von deren mündlichem Vortrag Aristoteles wusste, durch performative Handlung präsentiert wurden und die Lyrik zur Musik vorgetragen wurde, war das Kriterium der funktionalen und rezeptiven Wirkung des Dramas noch nicht eindeutig. In der Gegenwart jedoch hat die Epik und Lyrik (wenn nicht in der Pop- oder Rocklyrik, resp. slam poetry) ihr Dasein in Buchform und in der Privatlektüre. Auch der epische Text ist noch weitgehend an die gedruckte Buchform angelehnt, obwohl Hörbücher, Hörspiele und theatrale Adaptation die ursprüngliche mündliche Vortragsform von Epik wieder einholen. Dennoch tritt bei der Dramatik eine spezifische Bedingung ihrer Präsentationsform hervor.
Eine starke Voraussetzung der Wirkung der Katharsis scheint die zeitliche und räumliche Präsenz der Zuschauer an der Bühneninszenierung zu sein. Erst die Präsenz Zuschauender und Vortragender (vgl. Peter Brook, 1968) ermöglicht ein raum-zeitliches Miterleben der vorgestellten Handlung durch den Zuschauer, als ihre Vergegenwärtigung für die Zuschauer. Ebenso bricht sich in der Anlage des Erlebnishorizonts bei einer auf Katharsis angelegten Präsentation die Inszenierung oder der Nachvollzug von Abwesendem. Wie Iwanow an der Erkenntnis des sterbenden Gottes deutlich gemacht hat, die die kathartische Wirkung herstellte, ist die Reaktion des Zuschauers durch das Wissen der vom Tod bereits hinweggerafften Gottheit hervorgerufen. Grundsätzlich ist der Nachvollzug stets eine Wiederholung, ein Repetieren einer bereits abgeschlossenen Handlung zum Zwecke der Vergegenwärtigung. Aber die vergangene Handlung steht gleichfalls für die Absenz. Das Abwesende/Vergangene wird in die Gegenwart zurückgerufen, heraufbeschworen und stiftet in seiner Reinszenierung, die das Abwesende neu erlebbar macht, Katharsis. Erst im Bewusstsein, dass das Abwesende von Bedeutung war, entsteht das Bedürfnis, dieses in einer Reinszenierung erneut zugänglich zu machen. Die Absenz wird in der raum-zeitlichen Reinszenierung (spielerisch) aufgehoben. Damit setzt aber die Katharsis bereits das Wissen von der vorhergehenden, jetzt abwesenden Begebenheit, Gottheit, Situation etc. voraus, die sie erneut ins Bewusstsein heben will. Die Inszenierung der auf Katharsis angelegten Reinszenierung setzt den Zeithorizont zurück, in dem das Vergangene raum-zeitlich vergegenwärtigt werden kann, das die Begebenheit im gemeinsamen Raum der Schauspieler und Zuschauer inszeniert und erlebbar macht. Die Reinszenierung setzt damit im Akt der Vergegenwärtigung das Bewusstsein voraus, abwesende (vergangene) bedeutende Begebenheiten einzuholen und nachvollziehbar zu machen.
Sichtbarer wird nach Studien zur Performanz, dass sich die Katharsis nicht nur auf die dramatische Kunst beschränkt. Vergleichbare Phänomene und Prozesse lassen sich in liturgischen Handlungen, Ritualen oder Environments nachweisen, die in die Diskussion der ausgeschriebenen Tagung einbezogen werden sollen.

Für die oben bezeichnete Tagung in Krakau, vom 3. bis 5. Oktober 2018, werden Beiträge erbeten, die die Wahrnehmung der kathartischen Wirkung in Dramentexten seit 2000 oder Inszenierungen der letzten Jahre thematisieren, deren Hilfsmittel, Faktoren und Bedingungen diskutieren und deren Zusammenspiel nachgehen. Dabei soll dieses Wirkungselement auch mit Blick auf die bereits erwähnten liturgischen Handlungen, Ritualen oder Environments diskutiert werden. Wir laden ein, Ihre Exposés bis zum 31. August 2018 an folgende Mailadressen zu senden: asia.gosp@op.pl / mirecka@up.krakow.pl (Joanna Gospodarczyk, M.A. – Prof. Dr. Paul Martin Langner – Dr. Agata Mirecka). Der Konferenzbeitrag beträgt 450 PLN (110 EUR). Reisekosten können vom Veranstalter nicht übernommen werden. Die Publikation der Konferenzbeiträge ist vorgesehen.

CfP: Tagung „Deutsch-rumänische literarische Transfers und Mehrsprachigkeit aus europäischer Perspektive“

Die Germanistikabteilung der Hermannstädter Philologischen Fakultät veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Germanistischen Seminar der Europa-Universität Flensburg vom 22. – 24. November 2018 eine wissenschaftliche Tagung.

Sie sind herzlich eingeladen, sich an dieser Tagung mit einem Beitrag in deutscher Sprache (Sprach- oder Literaturwissenschaft, Landeskunde oder Didaktik) zu beteiligen (Vortragsdauer: 20 Minuten, 10-minütige Diskussion). Die Tagung wird in den Räumlichkeiten der Lucian-Blaga-Universität, Sibiu, Rumänien (B-dul. Victoriei Nr. 10) stattfinden.

Anreisetag ist Donnerstag, der 22. November 2018. Die Tagungsarbeiten beginnen am Freitag, dem 23. November und enden am Samstag, dem 24. November.

Die Aufsätze werden in den Germanistischen Beiträgen Band 44 und Band 45 (2019) herausgegeben.

Die Kosten für Übernachtung und Verpflegung werden von den Veranstaltern getragen. Reisekosten können nicht rückerstattet werden.

Die Tagungsgebühr für rumänische und ausländische Teilnehmerinnen und Teilnehmer beträgt 200 lei (bzw. 45 Euro).

Anmeldungen – eine 250 Wörter umfassende deutsche Zusammenfassung, nebst Vortragstitel – sind bis zum 1. Oktober 2018 per E-Mail bei Dr. Maria Sass (sass_maria@yahoo.co.uk; maria.sass@ulbsibiu.ro) einzureichen.

CfP: Interdisziplinäre Tagung an der Pannonischen Universität Veszprém | „Ereignis in Sprache, Literatur und Kultur“

vom 4. bis 6. Oktober 2018

in Zusammenarbeit mit der Filiale Veszprém der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Stiftung Előd Halász

Das Institut für Germanistik und Translationswissenschaft an der Pannonischen Universität Veszprém organisiert am 4.-6. Oktober 2018 eine interdisziplinäre Tagung, in deren Mittelpunkt der aus unterschiedlichen Wissens- und wissenschaftlichen Bereichen bekannte Begriff „Ereignis“ steht. Um uferlose interdisziplinäre Diskurse einzudämmen, möchte sich die Tagung vor allem auf linguistische (auch psycholinguistische), literatur- und kulturwissenschaftliche, literatursoziologische sowie translationswissenschaftliche Beiträge beschränken. Im Folgenden werden einige mögliche Zugänge zum Begriff bzw. dem Phänomen „Ereignis“ skizziert:

Linguistische Zugänge können beispielsweise von Pustejovskys Ansätzen der Ereignisstruktursemantik und der Wortfeldtheorie(n) von Wotjak, Geckeler und Lutzeier ausgehen. Es kann danach gefragt werden, wie anhand ereignis­struktursemantischer Analysen die Bedeutungsstruktur deutscher und anderssprachiger (z.B. englischer, ungarischer) verbaler Felder zu modellieren ist. Seit der kognitiven Wende in der Psychologie fragt man intensiv danach, wie die Bedeutungen der Wörter im Gehirn des Menschen repräsentiert werden. In Anlehnung an Engelberg kann man davon ausgehen, dass die Bedeutungsrepräsentation der Verben in ihren Ereignisstrukturen besteht. Die Verben bezeichnen Ereignisse, die aus miteinander über verschiedene Relationen verknüpften Teilereignissen verschiedener Arten bestehen. Es stellt sich dabei die Frage, wie eine angemessene Theorie zur Repräsentation der Verbbedeutung zu entwickeln bzw. der bereits vorhandene ereignisstrukturbasierte Ansatz vor dem Hintergrund einer kontrastiven semantischen Analyse weiterzuentwickeln ist. Das Korpus dazu können u.a. auch Wortfelder bilden. Es ist weiterhin zu untersuchen, wie Ereignisstrukturen in eine Rahmentheorie zur Repräsentation der Argumentstruktur und Valenz der Verben eingebettet werden können. Ein mögliches Untersuchungsziel könnte sein, den semantischen Gehalt der in den Ereignisstrukturen verwendeten Prädikate und Relationen möglichst präzise zu bestimmen und (intra- und/oder interlingual) zu vergleichen. Zu prüfen ist auch, ob das gesamte semantische Kenntnissystem als Ereignisstruktur aufgefasst werden kann.

Im Mittelpunkt translationswissenschaftlicher Forschungsarbeit kann die Translation als kommunikatives und interkulturelles Ereignis stehen, wobei der Prozessaspekt und die interkulturelle Dimension betont werden (Snell-Hornby). In diesem Zusammenhang sind weitere Beispiele für unterschiedliche Konzeptionen das Übersetzen als hermeneutischer Prozess des Verstehens von Texten (Stolze), das Übersetzen als interkulturelle Vermittlung im Sinne des interkulturellen Managements (Katan), das Übersetzen als Verhandlungsprozess (Eco), das Übersetzen als kreative Sprachentwicklung, das Übersetzen als funktionaler Prozess (Nord) und das Übersetzen als sozialer Prozess (Beiträge in Wolf/Fukari). Die Forschung im Bereich der Dolmetschwissenschaft kann sich auf sprachwissenschaftliche Themen in Bezug auf die kognitive Belastung (Effort Model), das Arbeitsgedächtnis, die Hirnfunktionen und Aktivierungsmuster sowie auf die Nutzererwartungen, Bewertungen und Reaktionen als Qualitätsindikatoren konzentrieren. Zur starken Zunahme der Dolmetsch­aktivität und  -wissenschaft im 21. Jahrhundert zählen weitere Dolmetschereignisse wie das Dolmetschen der Gebärdensprache, das Dialog- und Teledolmetschen, das Videodolmetschen, die Speech-to-Speech-Übersetzungssysteme wie auch die Entwicklung von Tools und Technologien zur Datensammlung und Analyse von Sprachdaten.

Literaturwissenschaftlich-narratologische Zugänge können von Jurij Lotmans Definition des Begriffs „Ereignis“ als der „Verletzung irgendeines Verbotes“, bzw. von der Relation zwischen „Ereignis“ und „Sujet“  (beide aufgefasst von Lotman als topologische Kategorien) ausgehen. Betrachtet werden können etwa Novellen im Hinblick auf das „Novum“, wie dieses zumindest seit Goethe zur Grundstruktur der Novelle gehört bzw. auf den Wendepunkt der Novelle als grundsätzliche Strukturkomponente und lesersteuerndes Deutungspotenzial. Will man überdies das Ereignis mit Wolf Schmid (Elemente der Narratologie) als „eine Zustands­veränderung, die besondere Bedingungen erfüllt“ unter die Lupe nehmen, ergeben sich Fragen nach dem Beziehungsgeflecht Ereignis-Ereignishaftigkeit-Erzählwürdigkeit, Faktizität oder Realität der Veränderung, oder nach dem Grad der Ereignishaftigkeit (Relevanz, Imprädiktabilität, Konsekutivität, Irreversibilität, Non-Iterativität) bzw. ihrem intertextuellen und (inter)kulturellen Kontext usw. Einbezogen werden können auch Ereignishaftigkeit als kultur-und literaturhistorisches Phänomen oder Relationen zwischen Ereignishaftigkeit und Ritualität. Bevorzugt werden dabei Beiträge, die die obigen Begriffskomplexe auf (deutschsprachige) literarische Texte beziehen bzw. jene mit diesen „illustrieren“.

Literatursoziologisch und rezeptionsgeschichtlich lässt sich ein literarisches Werk als ein Ereignis auffassen, wenn es durch sein Erscheinen und seine Wirkungspotenz einen rezeptiven Diskurs auslöst, der „eventuell“ auch andere „Felder“ (Pierre Bourdieu) als das literarische, nämlich das soziale oder das politische Feld berührt oder mit ihnen in Konflikt gerät. Man kennt z.B. den Skandal, den Gerhart Hauptmann mit seinem Vor Sonnenaufgang oder Rolf Hochhuth mit seinem Stellvertreter auslöste, die diskursive Wirkung, die diese Stücke auf soziale und politische Felder der gegebenen Epoche ausübten. In anderen Fällen sind diese Wirkungen selbst innerhalb des literarischen Feldes subtiler oder erst aus einer bestimmten zeitlichen Distanz erkennbar. Das Ereignis manifestiert sich dann als Eingang in die Geschichte der poetischen Sprache, als Anfang einer neuen poetischen Ausdruckform. Überlegenswert scheint schließlich der Moment der Begegnung des literarischen Textes mit einem anderen Medium, wodurch Ereignis zur intermediellen Transformation wird. In diesem Fall könnte danach gefragt werden, inwiefern die diversen Medien (z.B. Musik oder Film) das Zum-Ereignis-Werden des literarischen Textes beisteuern.

Last but not least: Innerhalb der Tagung wird auch eine Jugend-Sektion geplant, zu der ungarische und ausländische Nachwuchsgermanisten sowie Germanistik-, Translations- und Dolmetschwissenschaft-Studierende und Doktorand(inn)en eingeladen werden. Es handelt sich um eine selbständige Sektion, die zur Vorstellung von Studierenden und Nachwuchs­wissenschaftlern dient, ohne dass eine strenge Anknüpfung an die obigen Themen erforderlich wäre.

Für die einzelnen Vorträge sind 20 Minuten, für die anschließende Diskussion 10 Minuten vorgesehen. Abstracts im Umfang von max. 2500 Zeichen (inkl. Leerzeichen) müssen spätestens bis 31. Mai 2018 an die folgenden Adressen geschickt werden:

ereignis@mftk.uni-pannon.hu und vszabol@gmail.com

Über die Annahme der Beitragsvorschläge wird bis Ende Juni 2018 entschieden. Reise-, Verpflegungs- und Übernachtungskosten können von den Veranstaltern leider nicht übernommen werden.

Die Registrationsgebühr beträgt 15.000 HUF/50 EUR, (Phd-)Studentengebühr 7500 HUF/25 EUR (Nachweis erforderlich) und beinhaltet: Abstractheft, Tagungsbüfett in den Pausen, Empfang, Publikationsmöglichkeit im Tagungsband.

Einzahlung der Registrationsgebühr bis. 31. Juli 2018

Die Bankverbindung zur Überweisung:

Halász Előd Alapítvány

IBAN: HU51 1174 8007 2481 2441 0000 0000

BIC (SWIFT): OTPVHUHB

Bitte unbedingt angeben: Ereignis – RegistrationsgebührNachname

Die Konferenzsprachen sind Englisch, Deutsch und Ungarisch.

Weitere Informationen zur Tagung (Programm, Plenarvorträge etc.) finden Sie ab Mitte Juli 2018. unter http://german.uni-pannon.hu/index.php/hu.

 

Das Organisationskomitee:

Dr. habil. Katalin Ortutay,

Dr. habil. József Tóth,

Dr. habil. László V. Szabó

CfP: Special Issue of Oxford German Studies (48.1, 2019) | „Contemporary Peripheral German Literatures“

This proposed thematic issue of Oxford German Studies (https://www.tandfonline.com/toc/yogs20/current) deals with the relationship between space and identity in German-language minority literature outside of Germany, Austria and Switzerland from multilingual areas in Europe such as South Tyrol, Luxembourg, East Belgium, Northern Schleswig; Transylvania, Bukovina, Alsace, Silesia written after 1990. The discourses of national belonging, of cultural self-definition and self-understanding which come to the fore in these literary texts, will be the object of the issue. In the post-national constellation of Europe, a vigorous resurgence of German minority culture can be observed. The changing minority-majority relationship after the disappearance of the Iron Curtain and the related processes of Europeanization of opportunity structures for the political and cultural mobilization of language minorities has given a strong impetus to the visibility of minority literature. The border regions and enclaves the German-language authors write from play an important role in their conception of Europe as a multi-centered space of democratic values. In their heterotopical writing, they reflect a variety of possible relationships to German culture as well as of the cultural, literary, and historical contexts of the countries of which they are citizens. Their literary significance cannot be grasped solely in relationship of one regional or national space of belonging. The protagonists in the novels or lyrical personae in the poems of these authors often collect experiences of space, piece them together into a patchwork, and endow them with value by drawing connections over time and space. From their personal transcultural locations formed out of multiple connections and allegiances, each protagonist reinvents the space he inhabits, endowing it with deeply personal meaning coloured by the diverse cultural strands deriving from his experience. Paradigmatically, the German-Hungarian poet Valeria Koch, calls this transcultural and translingual space the “Land von Nirgendwo und Irgendwo” (1994). Yet, the transitive European dimensions of these texts – e.g. East Belgian author Freddy Derwahl’s magnificent Bosch in Belgien (2006) – has been largely neglected by German Studies, often depicting them as nostalgic, self-reflexive provincial literature.

This thematic issue has one primary and two secondary aims. The primary aim: Through a close reading of selected literary texts (prose and poetry), contributions will discuss the status of the literary representation of minority culture as a space (be it geographic, cultural, linguistic, political, social, ethnic, institutional, ideological, or aesthetic) in which global and local forces interact. Through issues such as dwelling and displacement, dialect and multilingualism, country side and city, periphery and centre, regionalism and national identity, they will investigate how aesthetic forms and cultural expressions engage with and shape the ongoing redefinition of collective identity represented in minority literature. Thus, the special issue aims at reworking the topics of locality and place while recalling the historical events of their dislocation as key moments of collective memory and identity. The link between space and identity can hardly be overlooked: The field of contemporary German-language minority literature in Europe – and specifically in Eastern Europe – is littered with memories of German guilt as well as of spatial images of flight, expulsion, and exile on the one hand and of marginalization and isolation as ‘Hitler’s fifth column’ (M. Zeman) on the other hand.

The special issue wants to deconstruct the idea of an homogeneous ‘ethno-linguistically’ defined ‘auslandsdeutsche Literatur’. Therefore, we welcome contributions on literatures which may not be easily labelled ‘German literature’, such as Luxemburgish literature (even if written in German), as they are fundamentally multilingual, transcultural in their textual foundation, and anchored in non-germanophone societies. What links nearly all of the narratives envisaged in this issue is the interdependence between concepts of familiarity and foreignness, home and estrangement, national language(s) and literary language. Informed by transareal literary theory (cf. Ottmar Ette in Literatur in Bewegung, 2001; ZwischenWeltenSchreiben. Literaturen ohne festen Wohnsitz, 2005; Homi K. Bhabha in The Location of Culture, 1997), this proposed issue takes the reconfiguration of European boundaries – together with the renegotiation of senses of place – as a point of departure for exploring literary representations of regional, national, and European space.

In this way, as a first complementary aim, the issue wants to make a meaningful theoretical contribution to the concept of transcultural majority-minority interaction in literary texts and fill the lacunae in the field of the transfer of cultural codes and the area of imagology, the study of the formation of images, national awareness and stereotypes (cf. Joep Leerssen). The idea of transculturation implies, on the one hand, a substantial difference in terms of power between the two (or more) groups in contact, and, on the other, an ingenious creativity which allows the marginal group to transform the acquired material in order to produce a qualitatively new culture. The issue wants to offer a corrective to the idea of unidirectionality in cultural exchange and will propose a model of reciprocal interaction in German minority literature. The second complementary aim of this issue consists of the comparative interest in bringing out the specificity of German minority literature in comparison with national majority literatures and to provide a tentative answer to the complex question of a European literature in transnational terms.

The deadline for contributions is 1 November, 2018. Contributions may be written in German or English and count max. 10.000 words (footnotes included). Style guidelines can be found at: https://www.tandfonline.com/action/authorSubmission?journalCode=yogs20&page=instructions

 

Please send all inquiries to:

Prof. Arvi Sepp

University of Antwerp/Free University of Brussels (VUB) – German Department

Contact: arvi.sepp@vub.be

Call for Papers: 33. Internationale Siebenbürgische Akademiewoche. Rumäniendeutsche Literatur und Archive

Veranstalter: Studium Transylvanicum, Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München, Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde Heidelberg und Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde Hermannstadt/Sibiu, Institut für deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin

Datum: 4. bis 10. August 2018
Ort: Hermannstadt/Sibiu/Nagyszeben und Michelsberg/Cisnădioara/Kisdisznód (Rumänien)

Die Internationale Siebenbürgische Akademiewoche findet jährlich in Rumänien statt. Ihr Ziel ist es, Studierenden, Jungakademikern, Doktoranden und Post-Docs, die sich mit diesem Raum beschäftigen, die Möglichkeit zu bieten, diesen vor Ort zu erleben und eigene Projekte bzw. Forschungsinteressen mit etablierten Fachleuten zu besprechen und nachhaltige Kontakte zu knüpfen. Die Akademiewoche richtet sich hauptsächlich an den akademischen Nachwuchs aus den Bereichen der Geschichts-, Politik-, Sozial-, Literatur-, Kunst- und Kulturwissenschaften sowie der Archäologie, der Geografie und der Religionsgeschichte.

Themenschwerpunkt der diesjährigen Akademiewoche ist „Rumäniendeutsche Literatur und Archive“. In Zusammenarbeit mit Institutionen und Forschungseinrichtungen vor Ort wird ein umfangreiches Programm geboten. Zu diesem gehören neben dem Kennenlernen von Archiven und Sammlungen auch Begegnungen mit rumäniendeutschen Autoren. In den Referaten können u. a. folgende Themen besprochen werden:

• historische und zeitgenössische rumäniendeutsche Autoren bzw. literarische Strömungen, Literaturkreise (z. B. die Gruppe um Klingsor, Aktionsgruppe Banat), Literaturfestivals (z. B. Deutsche Literaturtage in Reschitza),
• literarische Zeitungen (u. a. Die Karpathen, Neue Literatur),
• Kontakte zwischen den Literaturen Rumäniens und/oder den literarischen Zentren in Deutschland,
• biografische Annäherung an literarische Lebenswerke,
• historische Perspektiven auf die rumäniendeutschen Literaten und ihr Umfeld,
• literatursoziologische Untersuchungen,
• Archive (Vor- und Nachlässe, Sammlungen) und ihre Erforschung.

Diejenigen, die ein Referat zum Jahresthema halten wollen (Vortragssprache Deutsch), werden gebeten, bis zum 15. Juni 2018 ein Exposé und einen Lebenslauf an die diesjährige Verantwortliche Michaela Nowotnick (michaela.nowotnick@hu-berlin.de) zu senden. Für interessierte Teilnehmende ohne Referat gilt die gleiche Anmeldefrist.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Im Rahmen der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel werden die Veranstalter die anfallenden Reisekosten erstatten. Unkostenbeitrag inklusive Übernachtung und Verpflegung: EUR 100, Ermäßigung auf Anfrage: EUR 50.

Nachwuchsworkshop: Globale und transnationale Perspektiven auf die ukrainische Geschichte von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart

Die Deutsch-Ukrainische Historikerkommission veranstaltet in Kooperation mit der Staatlichen Mykola Gogol-Universität Nižyn einen Workshop für NachwuchshistorikerInnen mit einem besonderen Interesse an globaler und transnationaler Geschichte. Der Workshop findet vom 1. bis 5. Juli 2018 in der zentralukrainischen Stadt Nižyn statt.

Die aktuellen Prozesse der Globalisierung und des neuen Nationalismus oder der europäischen Integration und Desintegrationserscheinungen prägen auch die Art und Weise, wie HistorikerInnen auf die Vergangenheit in unterschiedlichen Zeitepochen blicken. Globalgeschichtliche und transnationale Ansätze haben sich in dieser Hinsicht unter mehreren neueren Ansätzen in den letzten Jahren als besonders produktiv erwiesen, da sie nicht ausschließlich auf politische Akteure und die politische Ebene ausgerichtet sind, sondern auch gesellschaftliche Akteure mit unterschiedlichen Hintergründen und Handlungsorientierungen einbeziehen.

Die Teilnehmer sind eingeladen ihre Ideen und Projekte (MA, Dissertationsprojekte) zu präsentieren und zu diskutieren. Mögliche Themen reichen von der Lokalgeschichte (Stadt, Dorf) über die Migrationsgeschichte bis zur politischen Geschichte.

Bewerbungen (inkl. Lebenslauf, Motivationsschreiben und Exposé) sind bis 20. Mai 2018 an kateryna.kudin@lrz.uni-muenchen.de zu schicken.

Weitere Informationen finden Sie auf CfP Nachwuchsworkshop (PDF-Datei).